Tourtagebuch

Kippen Rock, Arnsbach

16. Jul. 2022

von Totte

Ein Samstag voller Tatendrang. So kenne ich mich gar nicht, aber man nimmts ja, wie es kommt. Eine kleine Runde Dauerlauf, zwölf Kaffee und die Kolumne fertigschreiben, alles zeitig, denn um 11:30 ist Abfahrt für Monsters. Heute spielen wir beim Kippenrock-Festival bei Arnsbach, natürlich leider wieder nur zu fünft, aber ihr wisst ja, warum, und es bleibt zum Glück nur temporär. Burger kommt gleich aus der Heimat, ergo sitzen wir vier Restmonsters ab Harburg gemeinsam again im Mietauto auf dem Weg zum Rocknroll. Das Mietauto wurde schon wieder automatisch upgegradet, oder heißt es geupgradet? Wie auch immer, Fred konnte nichts dagegen tun, darum kutschieren wir today gar in einem BMW. Einem kleinen BMW zum Glück, aber was wird uns künftig erwarten? Porsche? Lambo? Hubschrauber? Wieso überhaupt Upgrades, wir sind doch viel eher Downgraduators, will mir scheinen.

Egal, der Vorteil ist, dass der Wagen sich wohl sehr gut fahren lässt, über Stock über Srock über Stein, drum Knall und Fall und die Abfahrt vom Freund. Wer weiß, wo man dank dieser Wegbeschreibung landet, melde sich bei uns und gewinnt was Schönes. Wir haben ein paar Staus zu bewältigen, sind aber sonnigen Gemüts und kommen trotz Burger und Rauchpausen viel zu früh an. Das Kippenrock ist ein sehr schönes, gemütliches Eintagesfestival, und das gesamte Team um Marco und Eva, ist wahnsinnig lieb, trägt schon frühzeitig kistenweise Leckereien heran, zapft frischeste Biere und bleibt bei allen Fragen und Wirren freundlich und kompetent. So zum Beispiel, nachdem sich herausstellt, dass der Fakt, dass wir heute mangels eigener Crew auf den Haustechniker zurückgreifen müssen, es infotechnisch irgendwie nicht bis zum Festival rumgesprochen hat. Aber pas de probleme, schon steht ein Mensch parat, der eigentlich nur feiern wollte, aber skilltechnisch später schönste Klänge für uns zaubern wird. Vielen, vielen Dank. Großes Hallo und Wiedersehen auch mit Nico und den Punk-Rogers, den Herren von GoGoGazelle und Raum 27, die wir heute zum ersten Mal treffen, aber gleich ebenfalls in unsere Herzen schließen. Bei Drinks, Schaukeln und Smalltalks in der Sonne vergeht die Zeit rasch, dann starten GoGoGazelle krachig knackig den Abend und überzeugen mit Groove und Fun. Wonderful. Es ist sehr heiß heute, aber die Menschen machen jetzt schon mit. Als zweite Band sind dann wir am Start, und das Konzert wird denkwürdig sinnbefreit. Wir spielen krude, wild und völlig frei von Stringenz, dass uns andauernd Publikum, Festivalcrew und die anderen Bands mit Frischdrinks versorgen, biegt den Spannungsbogen nicht unbedingt zur Ultraspannung, andererseits sind plötzlich alle auf beiden Seiten der Bühne in außerordentlichem Partymodus, es wird gepogt, geschunkelt und polonaist, Fred beschwört wiederkehrend seinen Ausweis, Börnski mutiert zu einer Mischung aus Johnny Rotten und Gottlieb Wendehals, Burger und Pensen halten die Rockfahne hoch und ich zerhacke Türen heute derart, dass nix mehr übrig bleibt, und zwar nur, weil ich aus Höflichkeit versuche, das von einem zugegebenermaßen etwas unsensiblen Pärchen permanent wunschgegrölte Hartz 4 einzubauen, was aber daran scheitert, dass ich das überhaupt nicht draufhabe. So wird das mein Watürloo, aber künftig werde ich auch wieder nur auf Wünsche eingehen, die mit Timing und Sensitivität an uns herangetragen werden. Erwähnen sollte man aber unbedingt noch die RettungssanitäterInnen, denn erstens sind die immer toll und zweitens wurde ich nach dem Auftritt noch darum gebeten. Also hier: Viele Grüße und unser aller Dank für euch.

Ansonsten gibt es viele spontane Talks über Fotografen, Männern, die den Moshpit mit Bier durchqueren und noch vieles mehr, vor allem aber das Gefühl, soeben wirklich 90 verdammt verstrahlt vergnügliche Minuten gemeinsam mit allen verfeiert zu haben. Selbstverständlich geht die Festivität hernach noch eine ganze Weile weiter, Raum 27 überzeugen mit atmosphärisch dufter, etwas wavemäßiger Popmusik, die Rogers verwandeln das Fest dann in einen Pogokessel. Ales toll. Wir schwofen mit und laden die Menschen zu Klopfern ein, ich kaufe T-Shirts und küsse David Hasselhoff, lerne die Songwriterband „Wrong Coffee“ ein, aber es war auch schon dunkel. Der Name könnte auch nur so ähnlich sein, ich hatte jedenfalls zunächst „Wrong Coffin“ verstanden, und fand den Namen eigentlich grandios, vielleicht ist das doch mal eine Überlegung wert, oder? Lasst von euch hören, ja?

Burger wird zuletzt noch spontan zum Helden, denn er fährt uns glatt noch alle ins Hotel, wo Abend, Nacht und Party enden, aber ich möchte unbedingt nochmal unseren Dank betonen, an alle, die da waren, alles möglich gemacht haben, und überhaupt eins noch: Ich weiß, dass der Publikumsschnitt etwas unter den Hoffnungen der Veranstalter geblieben ist. Aber das Festival ist so schön, dass bitte alle, die da waren, zum nächsten Mal noch ein bis zwei Freunde mitbringen, damit es das Kippen Rock noch ganz oft geben wird. Versprochen? Cool. Vielen Dank!