Tourtagebuch

Ruhrpott-Rodeo, Hünxe

02. Jul. 2022

von Totte

Huch, seit gestern ist mir etwas schwindelig. Vermutlich hängt das mit meiner Radtour vom Vortage zusammen, denn als schlechtester Pfadfinder aller Zeiten habe ich mich natürlich wieder verfahren und pedalte darum über eineinhalb Stunden gegen die Sonne. Sie gewann.

Heute geht’s mir aber gut, ich bin schon seit fünf Uhr wach und ganz aufgeregt, weil wir heute zum Ruhrpott Rodeo fahren. Viele dufte Bands spielen da, Chef Alex ist ein klasse Typ und ich bin immer sehr gerne da. Andererseits habe ich dort immer Sorge, zu versagen, noch mehr als so allgemein. 12 Wecker stehen darum bereit, die minütlich klingeln, damit ich ja die Abfahrt nicht verpenne, und mein Nachbar nicht wieder den ganzen Tag verpennt. Service Kühn.

Pünktlichst treffen Pensen, Börnski und ich zeitgleich ein, was wohl auch daran lag, dass wir diesele Bahnnutzten. Fred hingegen ist überpünktlich, hat den Bus geholt, gelade und sieht von Woche zu Woche frischer aus. Ein Mysterium, dieser Mensch. Heute sacken wir unterwegs unseren Soundmensch Kai ein, der für Urs und Claudio einspringt. Er ist viel unterwegs, hat derzeit noch einen Umzug an den Hacken, und trotzdem nimmt er sich die Zeit für uns. Herrlich. Die Fahrt ist irgendwie völlig ereignislos, die autobah meist frei, die Köpfe leer, aber Rüdi ruft durch, und wir können ein wenig klönen. Wird Zeit, dass er wieder in en Bus einsteigt, aber noch mehr ist Zeit gerade halt das, woran es nicht mangeln soll. Der Talk tut gu, und kurz darauf trudeln wir schon beim Rodeo ein. Klasse Sonnenschein, Superstimmung, just rocken Betontod erstaunliche Massen, die euphorisch singen und tanzen. Sei ihnen gegönnt, macht mich aber nur nervöser. Da tut es gut, viele Freunde und Kollegen zu treffen, Olli Bockmist von u. a. Hochstarter ist heute mit Ferris MC hier, und er macht immer gute Laune. Sofort bietet er sich ultrafreundlich sogar an, uns Bühnenbiere zu organisieren, denn logistisch sind wir gerade etwas aufgeschmissen. Burger ist inzwischen auch angekommen, großes Hallo und noch größeres dafür, dass er bereits eine Setlist für uns gebaut hat. Viel Zeit haben wir allerdings nicht mehr, aufgrund unerklärlicher Zeitlöcher strudeln die Minuten weg, und wir haben nur noch vier Minuten, bis zum Konzertbeginn, ohne dass die Mikros stehen. Aber das Bühnenteam um Hugo bleibt tapfer und cool, ich hüpfe etwas mit dem ersten Publikum rum, dann steht alles, und wir bolzen den Soundcheck in zwei Minuten durch, interagieren bereits etwas mit den Rodeodisten, und erkennen, dass sie uns sehr wohlgesonnen sind. Einmonstern in Highspeed direkt auf der Bühne, und dann rasen wir durch 50 Minuten Liedermacherei, intonieren Gesänge mit allen, sehen in so viele Menschen, wie schon lange nicht meh, huldigen Rüdi unf prosten mit ihm, Olli bringt tatsächlich Biere für uns, eine neue Liebe entsteht, und erstaaunlich viele Menschen crowdsurfen mit und ohne Plastikkrokodile. Fred glänzt als Nasenflötist, Börnski als Janni Rotten, Pensen mit der Ernährungshymne und Burger leuchtet nordseelichtig. Es macht einen wahnsinnigen Spaß, und geht viel zu schnell vorbei, das Adrenalin kommt mir aus den Ohren, und die Sonne tut ihr übriges. Aber immerhin, nach dem Konzert spielen gleich gegenüber die sehr geschätzten Kölner „Detlef“, auf deren Auftritt habe ich mich fast so gefreut wie auf unseren. Vielleicht auch ein bißchen mehr. Sie rocken sehr, sehr, sehr, und dazu treffe ich noch viele liebe Freunde, Ulli und Matthias, Schrauba, der heute mit Jaya the Cat da ist, Carmen, Marco, Bernie, Bine, es nimmt kein Ende, bitte verzeiht, wenn ich jemanden vergesse. Letztlich vergesse ich mich schließlich auch, denn als die Monsters mich plötzlich darüber unterrichten, eine Stunde früher als geplant die Heimreise antreten zu müssen, entscheide mich kurzfristig, einfach heute hierzubleiben, um weiterzufeiern. Während die vernünftigen Kollegen also irgendwann in den Bus und die Realität entsteigen, bleibe ich in einer Wolke aus Wahnsinn, Hopfen und Musik zurück, lerne viele Menschen kennen, und gehe sicher auch einigen auf die Nerven, weil ich so manisch bin. Ich genieße die Musik von Ferris, Pöbel und Gesocks, dem Diva Kollektiv, Jaya the Cat, und natürlich noch vielen mehr, aber irgendwann verschwimmt alles, und ich muss mich retten lassen, vor der Flut, der Gerste, der Euphorie und lasse mich von einer guten Freundin in heimische Sofasicherheit geleiten. Merci dafür. Ich sei „lost“ gewesen, höre ich am nächsten Tag, und das stimmt. Aber es entsprang der Freude, das beeide ich. Vielleicht ist ein Käsebrötchen auch doch keine ausreichende Grundlage für ein Festivalsamstag, zugegeben, aber wer hätte das schon vorher gewusst?

In die Scham mischt sich nun vor allem aber Dankbarkeit für alle und alles beim Ruhrpott Rodeo, denn das ist schon alles sehr dufte. Und ich hoffe noch mehr, wir sehen uns alle bald wieder. Hofknicks und Bückling, ein Selterstoast auf euch.