Tourtagebuch

Schlachtgarten, Krefeld

17. Aug. 2022

von Totte

Also Krefeld, was war da denn los? Ein Konzertabend geriet außer Rand und Band und die Monsters reisten mit euch quer dur den Weltraum. Aber zunächst die Randnotizen des Logbuchs, Sternzeit 4711:

Aufwachen in der Dachkammersauna, genervt von der Welt sein, dann Wäschewaschen und viel zu spät Taubertaltourbericht nachschreiben. Fußmarsch zum Monsterslager, Pensen, Labörnski und Fred begrüßen, über überfüllte baugestellte Autobahnen erstaunlich zeitnah in Krefeld ankommen. Wir passieren das Garden Hotel, das aufgrund diverser Besonderheiten bereits in mehreren Tagebucheinträgen von uns Erwähnung fand, aber da müsst ihr jetzt mal selber suchen, ihr kleinen Hobbydetektive, das macht ja auch Laune. Ankunft im Schlachthof, Stephan und Michele begrüßen, die heute für uns Licht und Ton machen und sehr souverän und sympathisch sind. Der Gartenbereich des Schlachthofs ist überhaupt extrem schön aufgemacht, gemütlich mit Nischen und Bambusbereich, Strandkörben und vielen Girlanden im Grün. Jetzt schon gemütlich. Wir lernen Kolja, den Chef des adens kennen, der sogleich eine dufte Käseplatte für uns zaubert, und auch Goldmucke-Veranstalter Andre kommt mit Freundin Tini an, die – große Freude – ihren berühmten selbstgemachten Rhabarberschnaps mitbringt. Auch Burger kommt nach traditionell chaotischer Bahnfahrt endlich an, nun kann auch der Soundcheck starten.

Hedonistische Zeiten: schon klopft das Abendessen fordernd auf den Backstagetisch. Pasta, Pizza, noch mehr Käse, wie soll man nach soviel Gaumenfreuden noch auf die Bühne rollen? Aber wir sind ja high professional, Kniebeugen, Situps, Dauerlauf bis zum Showbeginn, bzw. Kaffee und Dösen, aber die Zeit vergeht gar nicht so schnell bis zum Showbeginn, wir könnten schon längst, doch die Zeiger verharren, während wir hufscharrend hecheln. Der Schlachthof füllt sich mit duften euten äußerst erfreulich in diesen harten Zeiten, darunter auch viele Freunde des Hauses, und irgendwann ist es endlich Primetime und – zack! - da sitzen wir on stage.

Und jetzt verschwimmt irgendwie alles, denn es wird gefühlt eines der anarchistischsten Klamaukrockkonzerte unserer Geschichte, denn zwei riesige Gasflaschen an den Bühnenseiten geben uns Anlass zum Verdacht, heute noch ins All geschossen werden zu sollen. Das wird also das Oberthema des Abends und permanent neu aufgegriffen. Zudem liefert die liebe Belegschaft uns rasch geforderte Schnäpse, doch schon bald kellnert Fred selber, wenn er nicht gerade singt oder tanzt oder falsch rum auf der Bühne sitzt, Burger und ich helfen uns gegenseitig gesanglich bei unseren Liedern aus, scheitern aber auch da, Pensen und Börnski erzählen von ET und der Pommesbude nebenan, aufstehendes Publikum wird gerichtet, sitzenbleibendes Publikum zum Aufstehen erzogen, es ist ein unglaublicher Spass, aber auch völlig gaga. Ich kann den Abend überhaupt nicht beschreiben, merke ich gerade, egal wie ich es formuliere, es wirkt ganz anders als es war. Vielleicht so: eine übersättigte Jazzkapelle, bestehend aus übermüdeten Teenageräffchen, hat kurz vor dem Auftritt versehentlich Espresso mit LSD getrunken, und versucht nun, die Welt, die sie selbst nicht begreift, als Punktheater darzustellen. Das alles vor einer märchenhaften Licht- und Baumkulisse voller freudiger AstronautInnen, die dem Raketenstart in zwei Stunden entgegenfiebern. So ungefähr. Aber ganz anders, versteht sich.

Trinkt mit mir als Rüdireferenz ist natürlich ein Kracher, aber eigentlich sind das heute alles Kracher, und wenn nicht, dann behaupten wir das einfach. Das Konzert ist eigentlich auch irgendwann vorbei, die Kassierer laufen längst vom Band, aber weil ich zu früh zwecks CD Verkauf wieder zur Bühne gehe, entbrennt eine laute Forderung nach mehr und wir spielen noch 4 Meter unplugged mit Rappart, bevor dann der Abend tatsächlich endet. Herrlich herzlich und konfus. Auch danach bleiben wir gerne noch ein wenig, quatschen, prosten und prosten und quatschen, bis dann nach und nach alle doch in die Nacht entschwinden. Ich weiß nicht, vielleicht wars der luftleere Raum, vielleicht der Mondstand am Mittwoch: Aber das war ein Abend des Wahnsinns. Und das vor allem, weil ihr alle so extrem prima mitgefeiert und den Spass komplett verstanden habt. Vielen Dank! Irgendwie müssen wir das mal wieder hinkriegen. Irgendwie. Unzwar zwar natürlich am Niederrhein, eh klar.