Tourtagebuch

Open Flair, Eschwege

13. Aug. 2022

von Totte

Um ganz ehrlich zu sein, gab es für uns ja in der Pandemie keine Open Flair-Pause. Im Gegenteil, die tollen Damen und Herren dieses wunderschönen Festivals haben in den letzten zwei Jahren derart viel auf die Beine gestellt, dass wir häufiger in Eschwege auflaufen konnten, als je zuvor. Zu Autokinokonzerten, Minifestivals mit Sondaschule und Somerspecials mit den Donots und WiebuschUhlmannBosse. Dennoch ist es dieses Jahr wieder etwas ganz besonderes, das Festival in voller Blüte strahlend hell erleben zu können. Ein prachtvoller Anblick bei allerbestem Wetter. Dabei war der Start eher holperig, ich konnte nur eine Stunde schlafen, bevor mein Wecker dröhnte, dann fielen alle Bahnen aus, Freds Zug stand eine halbe Sunde still, und nur wilde Taxifahrten durch unbekannte Gebiete brachten uns in unseen schmucken Tourbus. Oh ja, für die nächsten zwei Tage haben wir uns tatsächlich nochmal einen Nightliner gegönnt, den Bernd zuverlässig kutschiert, und sogar Soelve ist mit an Bord, diesmal aber nicht als Fahrer, sondern tourmanagementmäßig. Eine schöne Sache, kaum im Bus, fällt alle Anspannung von uns ab. Wir sacken unterwegs Burger ein, und in Eschwege angekommen, können wir auch Urs in die Arme schließen, der hier bereits seit gestern in Sachen Milliardensound weilt.

Mich hält es dennoch nicht lange im Backstage, weil ich heute die ehre habe, im Kleinkunstzelt eine Kurzlesung zu halten. Sie finden im Rahmen der Potzblitz-Buch-Präsentation statt, einer Anthologie, die die GoGoGazelle-Herren Sebastian und Marc rausgegeben haben. Mich hat ja schon gefreut, da mitmischen zu dürfen, heute aber zusätzlich noch live in Gesellschaft von „Deine Cousine“ und Frank Goosen lesen zu dürfen, lässt mein Herz höher hüpfen. Aufgeregt bin ich aber auch wie blöde, dagegen hilft der Kaffee nur bedingt, und so titsche ich eine Stunde zu früh zwischen Kleinkunstzelt und Dixiklo rum.

Die lesung wird ein schöner Erfolg, von allen Seiten, und sehr freut mich, dass Burger und sogar Rüdi samt Silke zuschauen. Ganz recht, Rüdi ist heute auch vor Ort, zwar noch nicht komplett für die gesamte Bühnenzeit, aber immerhin. Und das wird auch bald wieder, mit jedem Treffen beweist sich das. Ein Glück, denn ich habe keine Lust, immer ganz außen zu sitzen, mir fehlt mein Banknachbar jedes Mal.

Die aunen könnten kaum besser sein, allein der Flairtypische Druck macht sich wieder breit. Kein Wunder, so gern wir das Festival haqben, so sehr fürchten wir uns davor, es zu enttäuschen. Drum diskutieren wir Setlisten heftiger ale nötig, planen rum und rum und laufen uns unruhig die Füße wund, bis wir soundchecken können. Fraglos: Die Supercrew um Stolle, Lizzy, Alex und all die anderen macht uns alles so leicht wie schön, aber der Druck steigt naturgemäß. Fred und ich als traditionelle Bandunken gehen natürlich vom schlimmsten aus: Hype is over, diesmal wird’s schlimm, alle werden uns langweilig finden, keiner kommt usw. Selbstverständlich haben wir gleichzeitig stets die leise Hoffnung, uns zu irren, aber was dann passiert, treibt allen die tränen in die Augenwinkel. Schon zum Soundcheck stehen die ersten lieben Leute vor der Bühne und blivken uns freudig aufmunternd zu, aber um 16:15 Uhr ist der Platz richtig voll, und zwar mit einer enthusiastischen Menschenmenge, dass uns die Spucke wegbleibt. Wohin wir auch gucken, Hände, Lachen, Pogo, Freundlichkeit. Headliner-Chöre und klatschende, wogende Bewegungen. Wir wissen natürlich, dass das Flair und wir uns mit der Gesamtsituation nur einen Spaß erlauben, aber dieser Spaß ist so voller Liebe, dass die herzen zu eng werden. Wir spielen voller Energie und hüpfen auf unseren Bänken rum, die Supersecuritys zünden spontan Konfettibomben, der ganze Platz singt von Auflaufformen, schlechter Ernährung, Laternen und Hamsterkäufen, plötzlich entwickeln sich Circlepits, ein riesiges Fest, das Ganze. Für Viva con Agua lassen wir uns auch heuer gerne mit Beschern bewerfen, und das sind enorme Mengen an Pfandbechern, die da zusammenkommen, also habt ihr auch noch was richtig selbstloses getan. Das absolute Sahnehäubchen ist aber, dass Rüdi zu den Zugaben mit auf der Bühne singt und feiert, Trinkt mit mir intoniert und überhaupt: wow, wow, wow. Wir wisssen nicht, womit wir das alles verdient haben, aber wir wissen das absolut zu schätzen, das könnt ihr uns glauben. Mir gehen aber just die Superlativen aus, darum einbfach ein großes Danke an alle mit virtuellen Küsschen.

Nach dem Konzert geht’s direkt weiter, Pensen reißt die Hofbühne mit der Bummgitarre ab, Ferris und Olli Bockmist die seebühne, alle anderen Kollegen erzählen ähnliches von Biffy Clyro, Selig zerlegen die Freibühne und überall trifft man Freunde, Verwandte, allgemein liebe Leute. Bis drei Uhr früh, da startet unser Bus gen Taubertal, und verzaubert winken wir noch einmal zum Werdchen, wünschen euch alles Allerbeste und uns, euch bald wiederzusehen. Genießt den Sonntag und bleibt exakt so, wie ihr seid. Merci!