Tourtagebuch

Postbahnhof, Berlin

27. Apr. 2011

von Rüdi

Es ist jetzt 2.11 Uhr und ich sitze mit meiner Freundin Alex und mit Liedermaching-Legende Normann Schuh in der Hotelbar. Die anderen haben sich nach Kreuzberg auf die andere Uferseite aufgemacht, aber für mich war der Abend schon spannend genug bis jetzt und Normann wird schon in der nächsten Stunde, die ich diesem Bericht widmen werde, für den nötigen Freakfaktor sorgen.
Ich war heute den ganzen wunderschönen Tag in Kreuzberg, ich liebe diese Stadt, aber jetzt gibt es gerade nichts größeres, als im „East Side Hotel“ zu dritt an der Bar zu sitzen und uns von Norman, der sich mit nur mit einem „n“ schreibt und in sofern sich von Normann, dem Freak, von dem ich erst jetzt weiß, dass er sich mit zwei „n“ schreibt, unterscheidet. Norman hält die Bar für uns noch ein bisschen offen und hat sogar noch Pommes für uns gemacht.
Also hier sitze ich und schwelge, aber meine Eindrücke über den heutigen Abend möchte ich euch erst später beschreiben.

Normann Schuh:

Es ist jetzt 2.33 und wir sitzen jetzt immer noch an der Hotelbar und ich muss mir jetzt irgendetwas Geistreiches einfallen lassen. Jetzt in diesem Augenblick ist der Bierhorst davon begeistert, daß ich mit Zehnfinger schreibe. Der hat es noch nicht kapiert, wie schön es ist, wenn man breit ist und einfach drauf los schreiben kann, ohne zu überlegen wo die Finger hinmüssen. Aber kommen wir zu dem Eigentlichen. Ich bin vor vier Monaten hier her gezogen und war froh, dass die Monsters hier heute auftreten, denn wirklich überzeugt bin ich von dieser Stadt immer noch nicht und werte den Umzug von Köln hierher als einen der üblichen Fehltritte, die man halt so im Leben macht, aber ich werde es verkraften. Wie immer bin ich mit Fahrrad und Bahn zur Location gefahren. Übrigens ist Rüdis Freundin gerade pennen gegangen und Rüdiger sitzt neben mir und ist gespannt, was mir gerade einfällt. Mir fällt nichts ein und wir haben gerade nur noch 35 Minuten Akku. Aber dann will er eh’ ins Bett. Jetzt sind es nur noch zweiunddreißig Minuten Akku und Bierhorst ist jetzt rauchen. Ich habe schon viele Konzertbericht geschrieben und jetzt, wo ich die Chance habe, was für die Monsters zu schreiben, fällt mir nichts ein. Ist auch nicht meine Aufgabe. Rüdiger hat es geschickt geschafft, seine Verantwortung an mich zu übertragen, aber dafür muss er es auch wieder ausbaden und wegzensieren. Ich kann jetzt halt nicht. Ein intelligenter Spruch fällt mir auch nicht ein, Konzert gut, Ende.

.......


Und dann war der Akku wirklich leer und ich bin brav ins Bett gegangen. Also ich bin´s wieder, euer Tourberichterstatter Rüdi. Jetzt ist es Donnerstag, 12.30 Uhr und ich sitze auf dem Sparrplatz und warte auf die Monsters, daß sie mich hier abholen. Es sind die letzten Minuten, die ich als Berliner in Berlin verbringe - vorerst. Man weiß nie, was passiert, aber gestern habe ich mich erst mal von dieser Stadt verabschiedet. Mir geht es ganz anders als Normann! Ich find Berlin super und gestern waren viele Personen anwesend, die für mich Grund sind, diese Stadt lieb zu haben.
Da kommt der Bus, Tschüss Berlin.

........

Aber jetzt mal weg von mir hin zu euch, ihr wundervolles Publikum, daß ihr gestern bei uns im Postbahnhof wart. „Postbahnhof!“ – was für eine erlauchte, hochprofessionelle Adresse. Feinstes Equipment beschallt hier den Riesensaal. Als ich Urs beim Soundcheck über die Schultern schaute, wurde mir vor lauter bunten Kurven und digitalen Steuerungselementen schier schwindelig, sogar unsere Namen leuchteten im Display auf – mir ein Rätsel, wie man all diesen technischen Firlefanz mit einem Blick abchecken kann, ohne einen zumindest einwöchigen Einführungskurs auf diesem Gerät genossen zu haben. Aber Urs braucht dafür halt nur ein Viertelstündchen. Apropos Soundcheck: Sehr angenehm und spaßig war auch die Zusammenarbeit mit dem Bühnentechniker Iwan. Auf diesem Weg einen nachträglichen Gruß – das war ein Vergnügen mit dir! Und Fred bedankt sich noch mal für die in Handtuch gewickelten Eiswürfel, die du ihm auf die Bühne gebracht hast, als er sich bei der Zwergen-La ola den Kopf blutig gestoßen hat. Sehr umsichtig war das und sehr nett! Da haben wir schon Helme mit und dann passiert so was.....
Aber Dank der schnellen professionellen Hilfe konnte Fred den Auftritt durchstehen, ohne daß man ihm irgendetwas angemerkt hätte. Wir sind eben Liedermacher und können was ab!
Und es wird einem ja auch nicht gerade schwer gemacht, wenn wir so umjubelt werden, wie das gestern der Fall war. Da vergessen wir gerne unsere Wehwehchen und eine Ohnmacht wäre doch zu schade gewesen. Was man da verpasst hätte!
Nach ein paar Tagen Spielpause, die wir für unsere Erholung genutzt haben, wurden wir von knapp 600 Gästen auf angenehmste Weise ins Tourleben zurückgeholt. Sehr viele Sitzplätze waren vom Veranstalter aufgebaut worden, was für eine entspannte Atmosphäre sorgte, was bei so vielen Besuchern durchaus nicht selbstverständlich ist. Ein klitzekleiner Wermutstropfen war zwar der Mittelgang zwischen den Stühlen, den wir, wenn möglich, gerne vermeiden, um ein intensiveres Miteinander zu schaffen, aber aus Sicherheitsgründen war das gestern leider nicht anders möglich. Und es wurde locker ausgeglichen durch die großartige Aufmerksamkeit, die uns vom Berliner Publikum entgegengebracht wurde. Es klingt vielleicht ein bisschen nach plumpen Komplimenten, die ich hier ausspreche, aber was Berlin angeht, bin ich immer kritischer als woanders und meine Antennen stehen noch mehr auf Empfang als sonst. Das ist halt so bei Heimspielen und gestern war ich ja noch Berliner.
Aber es war sooo schön mit euch! Wir waren richtig glücklich und ehrlich gesagt, waren wir dann auch ziemlich gut. Die Spielpause hat uns gut getan und sie war dringend nötig, aber gestern war der perfekte Auftakt für die nächste Tourrutsche. Es war lustig, aber zum Glück nicht überdreht, wie uns das so oft passiert, wenn wir uns allzu wohl fühlen. Der für uns so wichtige Balladenteil funktionierte vorzüglich und bei den Partytracks war prompt die Hölle los. Ein Bild für die Götter war, als Totte bei Sususu durch den Saal geschwenkt wurde und dabei Flyer verteilte und ich sage das nicht aus purem Eigennutz, weil es sich dabei um Flyer für das PanneBierhorst-Konzert am 27.Mai in der Kulturfabrik Moabit handelte. Nein, so bekloppte Momente darf man ruhig genießen, ebenso wie wenn einem hunderte wohl gelaunte Menschen beim Trinklied ihr „Prost“ entgegenschmettern.

Ich muss jetzt aufhören mit der Schwelgerei. In einer Viertelstunde geht das nächste Konzert los. Darum noch einmal in aller Kürze:

Danke Berlin! Wir lieben dich! Normann Schuh hat keine Ahnung!

Galerie

Podcast