Tourtagebuch

Musikzentrum *ausverkauft*, Hannover

01. Apr. 2011

von Rüdi

Ich habe den Tag in Berlin verbracht, um Abschied von meiner Wohnung zu nehmen. Ich bin nämlich ab sofort nicht mehr Rüdi auuuuuus Berlin sondern wieder Rüdi aus Allensbach. Klingt nicht unbedingt sexy, eher so wie Burger aus Gremsheim, aber solange die anderen Monsters im coolen Hamburg bleiben ist es ja nicht so schlimm. Aber im Ernst: Ich habe die letzten viereinhalb Monate von Berlin Abschied genommen und jetzt beginnt eine neue Phase, auf die ich mich freue. Und seitdem ich in Allensbach sogar eine Raucherkneipe gefunden habe, weiß ich auch, wo ich meine nächsten Lieder schreiben werde.



Auf der Rückfahrt im Zug bekommt mir mein Bier nicht, der Magen schäumt, eigentlich möchte ich was essen – ach ne, da fällt mir ein: Ich MUSS was essen, aber der Gastronomieservice ist ausgefallen und so gibt es nichts. Die Knie zittern, der Darm meldet sich zu Wort und mir ist schlecht – au weia. Ich rufe Börnski an, der heute auch mal eben zum arbeiten nach Hamburg gefahren ist und sage ihm, dass er den anderen doch bitte bestellen soll, dass ich erst kurz vor dem Konzert aufkreuzen werde, weil ich zuerst mal noch ein kleines Weilchen zur Kur ins Hotel möchte.

Fünf Minuten vor Playtime bin ich da, esse eine handvoll Nudeln und feiere mit den Monsters ganz kurz Wiedersehen, da geht es auch schon los.



Einmonstern zu acht – Urs ist auch wieder dabei – ist immer ein besonderes und auch seltenes Vergnügen. Da mir immer noch ein wenig flau ist, monster ich aus Trotz heute sogar besonders laut – alles wird gut.



Ach und wie gut doch alles wird! Als wir die Backstagetür zum Saal öffnen, bietet sich uns dieses wundervolle Bild eines ausverkauften Hauses. Alle sind vorfreudig erregt und äußern dies durch Monsterschöre, Claudio schmeißt den „Flipper“ an und ab geht’s.



Wir haben das Programm von gestern minimal umgestellt, die Reihenfolge ist ein wenig anders, „Hartz 4“ ist wieder drin und das „Punkermädchen“ – alles sinnvoll, wie sich herausstellt. Wir haben nämlich mit der Zeit sehr sensible Fühler entwickelt, die uns sofort melden, wenn es irgendwo ein bisschen rumpelt. Aber der Zug rollt heute schon ein wenig glatter als gestern, wobei gestern weiß Gott auch schon nicht schlecht war. Es ist heute aber noch voller im Saal und die Textsicherheit des Publikums ist beeindruckend, wenn man bedenkt, daß das neue Album ja gerade mal seit ein paar Tagen zu haben ist. „Atomfreies Kraftwerk“ wird schon bei den ersten Flötentönen erkannt und abgefeiert, die neue Mikrophonierung des Akkordeons ermöglicht allerlei spontane Choreographien, heute das „doppelstöckige Tandem für drei Personen“ bei der „Weltklassemelodie“, Monsterschöre arten in ein AC/DC-Cover aus – siehe Podcast – dank zweier Fans in der ersten Reihe wird bei „Türen“ die nach oben öffnende Schwingtür wiederentdeckt und seit Totte bei „Sususu“ das Solo auf einem Minikeyboard spielt dürfte die Luft für Herrn Rick Wakeman ziemlich dünn werden und er kann seine Türme einpacken. Leser die unter 45 Jahre alt sind: Bitte googeln, wer das ist. Bei „Zorniges Lied“ dürfen wir endlich mal das Tanzbein schwingen, bei den Frühlingsgesängen geht die Sonne auf und und und so weiter.

Es ist ein toller Abend, nein es waren zwei tolle Abende in Hannover und wir sind wieder richtig angegeilt von dem was wir alles erleben dürfen. Natürlich wissen wir noch nicht, wie die Tour am Ende ausfallen wird, aber Hannover.....

Ja, Hannover bringt es immer wieder fertig, daß wir uns verlieben. In Stadt und Leute, aber auch – und diese Unbescheidenheit sei mir bitte verziehen – in unsere eigene Kunst. Daß das alles immer nur ein riesengroßer Spaß ist, ist uns natürlich klar, aber der funktioniert eben nur, wenn beide Seiten der Bühne mit Freude bei der Sache sind. Und das ist soooo leicht in Hannover. Dafür sagen wir „Danke!“, verbeugen uns und freuen uns auf die nächste Gelegenheit.



Ach ja: Und mir geht’s wieder blendend!

Podcast