Tourtagebuch

Musikzentrum, Hannover

31. Mär. 2011

von Rüdi

Das Lieblingsbuch meiner frühen Kindheit hieß „Schnüpperle“, ein Buch über einen kleinen Jungen, der sich auf Weihnachten freut und die Tage zählt bis es endlich so weit ist, dass das Christkind kommt und die Kerzen und Herzen leuchten lässt. Natürlich erlebt Schnüpperle in der Vorweihnachtszeit ganz furchtbar aufregende Sachen, aber am Ende steht er staunend und glücklich vor seiner Bescherung.

Das könnte er eigentlich schon sein, mein heutiger Tagebucheintrag – nicht schlecht zusammengefasst – aber für euch, liebe Leser, gehe ich doch gerne ein bisschen ins Detail:

Denn wie Schnüpperle in der Vorweihnachtszeit haben auch die Monsters aufregende Zeiten hinter sich. Sie haben kleine geile Firmen gegründet (Timmerch), neue Bands aus der Taufe gehoben (Unsere kleine Band), Wohnorte gewechselt, Kinder groß gezogen, in ihren Jobs gearbeitet, waren im Urlaub oder mit anderen Bands auf Tour, kurzum das ganz normale Leben eben – nur eines haben sie nicht getan: Sie haben sich nicht gesehen. Noch nie seit Gründung der Band haben wir uns so lange nicht in den Augen gehabt. Und weil das auf keinen Fall noch länger auszuhalten gewesen wäre, soll es jetzt endlich wieder los gehen. Denn schließlich haben wir in der Zwischenzeit ja auch unser neues Werk „Haie im Flipperpelz“ veröffentlicht und dessen Geburt soll ab jetzt mit einer zumindest einmonatigen Party gefeiert werden. Auch das haben wir noch nie gemacht.
So viele Konzerte, so viele Erlebnisse – was werden wir sechs Schnüpperles wohl unter dem Baum alles finden......

Die Party beginnt in Hannover im Musikzentrum, einem hochschicken Ambiente mit zwei Besucheretagen, wo wir schon so manche gute Erfahrung gemacht haben. Mein Taxi biegt um die Ecke – Rockstar Rüdi eben – und ich eile in den Backstage, endlich werde ich sie alle wieder sehen und da sitzen sie, begrüßen mich mit lautem Hallo, doch bevor ich sie in meine Arme schließen kann, sage ich gehetzt: „Äh, hat mir einer mal nen Zehner? Ich kann mein Taxi nicht zahlen.....“

Wie ihr ja sicher wisst, ist die Monstersfamilie viel größer als wir sechs Aushängeschilder. Und weil Weihnachten ein Familienfest ist, sind sie heute alle alle da. Die erste Rutsche der Tour wird sich Claudio um unseren Klang kümmern, aber auch Urs, der erst viel später zum Einsatz kommen wird, hat sich nicht lumpen lassen. Und auch Achim, der uns alle die Konzerte zusammengebucht hat. Und Timmey natürlich. Alle sind sie da!

Im Buch „Schnüpperle“ wären wir jetzt an der Stelle, wo der kleine Bub mit seiner Familie darauf wartet, daß sich die Tür öffnet. Solche Situationen sind vor Aufregung kaum auszuhalten und in unserem Fall werden sie mit Dendemann und Zaz bewältigt. Dazu nervöses Hin- und Hergerenne und viele Zigaretten. Der häufigste Satz des Abends lautet: „Wie spät ist es?“ Irgendwann kommt die erlösende Antwort: „Kurz vor neun.“

Es ist ein ausgesprochen schönes Gefühl zu monstern, wenn der Kreis ausnahmsweise aus acht Familienmitgliedern besteht – einzig Timmey fehlt, der zu diesem Zeitpunkt immer schon an seinem Merchstand steht und unsere Produkte verkauft.

„Ohohohohohohooooho Monsters!“ – wir können es noch. Unsere Lieder auch?

Und dann endlich öffnet sich die Tür und sechs Schnüpperles stehen staunend vor der Bescherung. Die Titelmusik von „Flipper“ erschallt und wir stolpern auf die Bühne.
3
2
1
Tod in der Nordsee
Es ist der Beginn eines wunderschönen Abends, voller verpeilter Szenen, spontaner Freudesbekundungen, pyrotechnischer Extasen und natürlich Musik. Weihnachtsmusik.
Wir sind sofort angezündet von der phantastischen Stimmung und feiern unser Wiedersehen auf der Bühne. Die Lieder der neuen Platte sind einem Großteil des Publikums noch unbekannt und es macht riesig Spaß sie zu spielen. Totte spielt zum ersten mal Keyboard, das Spielzeugakkordeon ist von Claudio mit einem Mikrophon ausgestattet worden und ermöglicht so schier ballettartige Einlagen von Börnski und Fred, bei der „Weltklassemelodie“ entfacht unser Fan JR eine Leuchtkerze auf der Bühne, daß es Schnüpperle Rüdi die Freudentränen in die Augen treibt – kurzum: es steppt der Bär im Ballhaus! Natürlich sind wir noch nicht perfekt eingespielt, aber genau dadurch entwickelt sich ein ganz besonderer Charme, der vom liebevollen Publikum mitgetragen wird. Wir haben das lange vermissen müssen, aber jetzt ist endlich Weihnachten und alles liegt unterm Baum, was wir uns wünschten. Es ist herrlich! So kann es bitte weitergehen die nächsten Wochen lang.
Hannover, Helfer, Hoppi (Stagemixer), Bar, Musikzentrum und all ihr tollen Leute im Saal:
Yeah! Yeah! Yeah! Und Danke! Danke! Danke!

Bis morgen.

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