Tourtagebuch

Kassablanca *ausverkauft*, Jena

17. Apr. 2011

von Rüdi

Ich habe heute das Einzelzimmer. Nr. 428. Zuerst hatte ich Zimmer 408, aber als ich reinging, roch es irgendwie fies und da dies hier ein vornehmes Hotel ist, habe ich mich getraut, das zu reklamieren und jetzt hab ich Nr. 428. Ein nach frischer Frühlingswiese duftendes Raucherzimmer! Hier will ich mich entspannen und euch diesen Bericht schreiben.
Ich befinde mich in einem Zustand von Glückseligkeit, was weniger am Whiskey Cola liegt, der neben mir steht, als an diesem heutigen Abend und einer daraus erwachsenen Erkenntnis.

Als wir heute in Jena im “Kassablanca“ ankamen, waren wir ein zermürbter Haufen, der nur noch müde vor sich hin stolperte. Das letzte Konzert vor der einwöchigen Pause irgendwie noch schaffen. Das 16te Konzert. Wir waren vergrippt, müde, heiser, fertig, genervt, heimwehig und gestresst. Nicht schlecht drauf, aber mittlerweile leicht überfordert.
Und dann durften wir dieses wunderbare Konzert geben. Eines der relaxtesten der Tour, eines der ausgeglichensten und harmonischsten. Wir möchten immer einen möglichst perfekten Wohlfühlabend gestalten und es ist nach 15 Konzerten einfach schwer, sich zu motivieren, als wäre es der erste Abend der Tour. Und dann fiel es heute soooooo leicht. Es sind immer nur Nuancen, die den tollen vom guten Abend unterscheiden. Ob nun alle oder fast alle bei uns sind oder wenn nur ein einziger im Publikum nervt oder wenn wir nicht ganz auf der Höhe sind. Wir spielen immer unsere Lieder und wir sind noch nie so richtig baden gegangen, aber wir können den tollen vom guten Abend unterscheiden.
Die Vorzeichen ließen keinen tollen Abend vermuten. Wir, so drauf, wie eben beschrieben, dann die merkwürdige Aufteilung der Saalbestuhlung in einen Theater- und einen AC/DC-Bereich, nicht in vorne – hinten, sondern rechts – links aufgeteilt. Ich weiß noch, wie ich froh war, nicht auf der Stehpublikumsseite spielen zu müssen, das gebe ich zu. Ich dachte, der arme Fred. Und dann spielte das alles überhaupt keine Rolle. Der Rockbereich schwelgte sich durch die Balladen und der Theaterbereich pogte sich blaue Flecken. Und auch die obere Etage fühlte sich in keiner Weise außerhalb des Geschehens. Wo auch immer wir hinblickten, sahen wir Freude am Geschehen und auch auf der Bühne entfaltete eine vollkommen stressfreie und authentische Show. So sind wir, wenn wir uns wohl fühlen in unserer Haut. So, wie wir heute waren. Vielleicht lustigste Szene: Als Totte bei Crowdsurfen vergessen wurde, wegzutragen und so mit seinem halben Körper über der Bühne hing. Und da fällt mir das Lichtermeer ein. Oder die drei „Tod“- Schilder mit der süßen fehlerhaften Hochhaltechoreographie. Flogen Höschen auf die Bühne?...Ich weiß es grade nicht genau, irgendwas kam da geflogen. Aber man muss das eigentlich gar nicht hervorheben, der ganze Abend war perfekt, vor allem all die wunderschönen lächelnden und feiernden Gesichter. Ein toller Abschluß der ersten Tourrutsche – jetzt können wir uns getrost entspannen.

Ach ja, die Erkenntnis....
Ich will es mal so sagen: Egal, wie kaputt wir Monsters manchmal sein mögen. Wenn wir eine Perle vor uns liegen sehen, wollen wir niemals zu müde sein, uns zu bücken.

Vielen lieben Dank dafür. Das war super heute!




Ach übrigens Kuno: Dein Essen ist der Wahnsinn!

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