Tourtagebuch

Substage, Karlsruhe

14. Apr. 2011

von Rüdi

Irgendwann musste das ja mal passieren. Jetzt endlich, auf der 18ten Clubtour, ist es so weit:
Wir werden gefilzt. Wir, unser Bus, unsere Dreckwäsche – alles.
So ein schwarzes Monstersmobil mit getönten Fenstern und acht finsteren Gestalten, die da herauspurzeln, erregt natürlich das Interesse von Zollfahndern. Wir sind gewissermaßen ein einziger Primärreiz.
Und deswegen ist es auch ein Wunder, daß es so lange gedauert hat.
Am Ende hält man uns allerdings eher für eine Drückerkolonne für Monsters-Shirts denn für illegale Waffenhändler oder ein Drogenkartell.
Und in Wahrheit hatten wir uns gerade überlegt, wie wir die verbleibende überschüssige Stunde überbrücken wollten, denn wir drohten, eine glatte Stunde zu früh im Club zu sein. Diese Abstimmung können wir uns jetzt sparen – auf die Minute pünktlich erreichen wir das „Substage“. Und werden prompt begrüßt – mit Umarmung......

Also, das ist selten! Und erst der Anfang eines Abends, der voller Unglaublichkeiten steckt.

Erste Unglaublichkeit: Es wird voll werden heute. Das ist schon insofern krass, weil wir erst im November auf der Aufnahmetour hier gespielt haben und zweimal so kurz hintereinander kommt man eigentlich nicht, um mal eben im „Substage“ zu spielen.

Und der Veranstalter und das Team scheinen sich ernsthaft auf uns zu freuen. Das merkt man, wenn man in die Küche spioniert und sich mit den Köchen unterhält und das merkt man, wenn man ins Essen beißt. Man merkt es, wenn sich Jörg zu einem Klönschnack zu uns setzt, wenn man an der Bar vorbeischlendert und sich jeder noch an unseren Abend im November erinnert. Oder wenn man – egal wem gegenüber – einen kleinen Wunsch äußert oder ein Auskunft braucht.
Seit wir auf dem „Fest“ gespielt haben, gibt es diese merkwürdige Liebe zwischen uns und Karlsruhe. Und eben dem „Substage“ – zu Karlsruhe komme ich gleich noch.

Das Konzert hat ja noch nicht begonnen.

Der Nachmittag:

Jeder macht sein Ding, frisst sich im Vorbeigehen an den kalten Speisen glücklich, macht Abrechnungen, schreibt Tourberichte usw. Burger zum Beispiel fotografiert ein Modell und ich zum Beispiel habe heute Besuch.
Eine gute Stunde vor dem Konzert gibt es ein sensationell schmeckendes warmes Essen und als wir damit fertig sind, geben wir noch ein Interview für Yabla (german.yabla.com), einer Internetplattform, wo man Sprachen lernen kann, indem Lieder und Videos mit entsprechenden Untertiteln versehen werden. Klingt interessant und gibt es für alle möglichen Länder. Vielleicht kommt die „Weltklassemelodie“ auf diese Weise ja tatsächlich noch nach Amerika.

Das Konzert:

Kommen wir also zu Karlsruhe.
„Karlsruhe, willst du mich heiraten?“ – diese Frage steht schon nach den ersten paar Liedern im Raum. Fast nirgendwo sonst werden wir so frenetisch begrüßt wie hier. Der ganze Saal scheint von dem Wunsch beseelt zu sein, möglichst viel Blödsinn mitzumachen und eine einzige harmonische Schwingkurve zu bilden. Oder wie Totte es sagte: eine glückliche Gemeinde.
Ich weiß noch, wie ich im November vollkommen überfordert war, das Konzert in nachvollziehbare Worte zu fassen und daraufhin einen sehr schrägen Aufsatz fabriziert habe. Es ist einfach sauschwer, dieses vielleicht eine Prozent herauszufiltern, daß diesen Abend dann halt doch von anderen unterscheidet. Aber in diesem einen Prozent liegen so viele besondere Momente, die sich für immer in unser Gedächtnis brennen werden. Zugegeben: der Balladenteil wird vielleicht nicht dazu gehören, da merken wir hier schon eine gewisse Ungeduld. Aber es sind rund 700 Menschen da und wir hören eben alles. Wir sehen zum Beispiel auch das Mädchen, das beim Stichwort „Thüringen“ (bei Türen) in der wahrscheinlich 40ten Reihen einsam vor sich hinjubelt – wir kriegen wirklich das meiste mit, denn so tanken wir die Energie, die wir auf Tour brauchen.
Aber was nach dem Balladenteil dann plötzlich losbricht, kriegen wirklich alle mit, auch die letzte Reihe, auch die obere Etage und auch die Bar. Bei der Himmelstür machen wirklich alle mit und ich meine alle. Alleallealle. In der Mitte des Saals entsteht ein Moshpit, der jedes Lied abtanzt, Schilder werden hoch gehalten, es wird gepogt, was das Zeugs hält, gesungen, gejubelt.......
Und bei „Eschnapur“ dann das totale Gegenteil. Absolute Stille in der ganzen Halle!!

Aber drei Sachen haben wir noch nie erlebt:

Als Burger bei der Ansage zu „Expunker“ der Booster durchgeht und er anfängt mit einem derartigen Selbstbewusstsein rumzupöbeln, daß wir vor Lachen zusammenbrechen.
Als Totte bei „Sususu“ vergessen wird, rechtzeitig abzusetzen und er – auf Händen getragen – den gesamten Refrain hin und her geschaukelt wird.
Und daß wir vom Veranstalter mit einem Tablett voll Sekt beim Bühnenabgang empfangen werden.

Es ist einfach alles unglaublich! Es ist zwar alles sehr groß hier, aber trotzdem rührend, privat, und freundschaftlich.

Kein Wunder, daß das Publikum den unter unseren Fans berühmten Monsters-Chor heute abwandelt.

Ohhohohoohoohoo Substage!!!!!!

Verneigung!

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