Tourtagebuch

Kantine, Köln

04. Apr. 2011

von Rüdi

Ausschlafen auf Tour ist ein begehrtes und äußerst seltenes Gut. Aber heute dürfen wir sage und schreibe bis 14 Uhr schlafen, hat Tourleiter Timmey gesagt. Denn die Fahrt nach Köln, wo wir heute gastieren, dauert keine Stunde. Die Sache mit dem Frühling scheint weiter auf sich warten zu lassen, der Tag ist grau, aber in unseren Herzen scheint die Sonne. Die Tour läuft wirklich gut bisher. Und wahrscheinlich wird es auch heute wieder ein Fest, die Vorverkaufszahlen lassen das zumindest hoffen. Nun ist es natürlich nicht so, daß wir einen gelungenen Abend allein von einer großen Zuschauerzahl abhängig machen, aber wir wollen keine unglücklichen Veranstalter zurücklassen und wenn man in einem Club wie der „Kantine“ in Köln gebucht hat, sollte man auch mehr als nur die ersten Reihen voll kriegen – auch an einem Montag.
Aber auch Clubchef Markus, der uns um 16 Uhr die Tür aufmacht, strahlt Zuversicht aus und so laden wir wohlgemut den Bus aus, die Bühne ist schon präpariert, Claudio beginnt sofort seine Tätigkeiten, Timmey richtet seinen Merchstand ein und jeder tüddelt ein bisschen vor sich hin. Pensen geht durch den Wald joggen, Burger arbeitet für seine Firma up:art und ich telefoniere mit Ecki, während Börnski irgendwas mit Steuer oder so macht. Wenn man mit meinem Telefon hantiert, nervt man automatisch alle, die irgendetwas wichtiges wie was mit Steuern oder so machen, weil man es bei jedem Kontakt in den fiesesten Tönen zu tun kriegt. Ich krieg den Scheiß aber nicht aus, weil es sonst auch nicht mehr bimmelt, wenn ich angerufen werde. Mein Handy kann nur: Alle Töne an oder alle Töne aus.
„Gib mal her!“ sagt Fred. „Das ist ja nicht auszuhalten!“
Gerne.
Nach 10 Minuten hat Burger das Ding in der Hand. „Ich kann das.“
Dann Börnski. Der glaubt mal ganz kurz, es geschafft zu haben, aber wie gesagt, jetzt bimmelt es eben gar nicht mehr....
Durch Zuhilfenahme eines Forums im Internet, das sich offenbar genau mit diesem Problem befasst, wird nach geraumer Zeit das Problem tatsächlich gelöst, aber darauf muss man erst mal kommen!
Es handelt sich dabei um das allerdings totschicke Samsung C 3050.
Nur so zur Warnung.

Wir erwarten heute netten Besuch. Ecki, Jan, Reiner, Markus, Honey Kale.... Es wird bestimmt eine etwas längere Nacht für viele von uns werden und unsere Schlafstätten sind über die ganze Stadt verstreut.
Ich zum Beispiel freu mich auf Ecki während ich dies schreibe und unterbreche jetzt diesen Bericht, weil er jeden Moment hier sein müsste. Ich melde mich dann wieder aus Eckis Wohnung, wenn das Konzert vorbei ist.
Ich glaube, es wird toll heute Abend!


Hallo, da bin ich wieder, es ist halb 7, Ecki schnarcht und er wird gut träumen, weil ich ihn gerade mit „Controlling Crowds“ von „Archive“ in den Schlaf geschickt habe und weil er mit mir sehr lange und weit gelaufen ist.....aber das erzähl ich nachher.

Mir dagegen fällt es nicht schwer, noch ein wenig wach zu bleiben, denn ich bin noch immer ziemlich angekratzt vom Abend und möchte auf keinen Fall gehen, ohne euch noch einmal mental umarmt zu haben. Es war wirklich wunderschön mit euch heute Abend! Ich will euch nicht mit Floskeln füttern, das tu ich zumindest schriftlich nie, aber dieser Abend hatte wirklich ganz viele besondere Momente! Schon der Blick, wenn man zum ersten Mal von der Bühne in den Saal blickte.
Sehr schön, wie großzügig der Saal bestuhlt werden konnte, das sorgte für eine der größten Sitzpogo-crowds, die wir je gesehen haben, aber auch andererseits für einen der schönsten Balladenteilen, die wir bisher vor einem so großen Publikum geben konnten. Das war Balsam und hat einen unglaublichen Spaß gemacht! Aber völliges Erstaunen erzeugte auch der hintere, etwas entferntere Teil der Gesellschaft. Ich erinnere mich genau, wie sich bereits bei unserem allerersten Lied vom ersten Ton an selbst die hinterste Reihe – also die, die die schlechtesten Bedingungen haben – an allem beteiligte, was das Zeug hergibt. Während die erste Reihe eine aufgehende Sonne mit ihren Händen choreographiert und sowieso sich der ganze Saal sich gerade in einen mehrsätzigen Chor verwandelt. Wir befinden uns übrigens immer noch erst im ersten Lied. Und dann ging das immer so weiter.....immer, wenn wir uns irgendwas wünschten, wart ihr schon viel schneller mit euren Händen oder Stimmen oder eurer Aufmerksamkeit. Selbst bei Dingen, auf die wir selber niemals kämen, wie die Nummer mit den beiden Mädels mit ihren „Kreisch!“ – und „Jubel!“ – Schildern bei „Eschnapur“. So was finden wir einfach super und wir finden auch super, wenn sich beim „Trinklied“ ein spontaner „Twen-Dance“mit Fred entwickelt, er hat mir erzählt, wie er es genossen hat! Oder wenn wir einfach angelächelt werden und sogar besungen. Oder Crowdsurfing an den unpassendsten Stellen! Wir finden alles toll, was einem inspiriertem und fröhlichem Abend dient und heute war so viel Gemeinsinn am Start, daß ich mit der Welt versöhnt und glücklich ins Bett fallen kann. Ich bin sicher, den anderen Monsters geht es genau so, aber wie gesagt, heute sind wir alle irgendwo verstreut und es ist kurz vor acht. Mein allerletzter Gruß im Namen der Monsters geht an die Le und Irena, die gestern Geburtstag hatten und heute Geburtstag haben. Fühlt euch geherzt, auch wenn wir euch kein Ständchen spielen konnten.



Köln, wir haben dich wirklich lieb!

Gute Nacht

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