Tourtagebuch

Moritzbastei *ausverkauft*, Leipzig

08. Apr. 2011

von Rüdi

Während ich das hier aufschreibe, sitzen wir schon wieder im Bus nach Rostock. Leipzig liegt hinter uns, der gestrige Tag war anstrengend, aber der Abend versöhnlich. Wir mussten sehr früh los, weil wir einen Radiotermin beim „MDR“ in der Sendung „Sputnik“ hatten, das war übrigens toll und wir sind richtig gefeatured worden.
Wir mussten unser aufwendiges Merch den perversen Ladeweg über all die Treppen und Winkel wuchten, dabei habe ich eine neue Extremsportart entwickelt: Stellwandsurfen. Beim Stellwandsurfen versucht man bei orkanartiger Windgeschwindigkeit ein großflächiges Objekt in eine gewünschte Richtung zu tragen ohne sich dabei vom Wind alles vorschreiben zu lassen. Richtige Könner oder Selbstüberschätzer versuchen das sogar auf der Treppe.
Die Moritzbastei hat sich ein neues Digitalpult gekauft, das Claudio über die Maße fordert und überhaupt: Wir haben Tag neun. Bandintern machen sich die ersten leichten Verschleißerscheinungen bemerkbar, die Zipperlein werden langsam wahrgenommen und der eine oder andere muss heute etwas geschont werden. Zum Glück sind wir routiniert in solchen Dingen und so tut jeder das, was er braucht, um um 20 Uhr wieder mit Freude am Start zu sein. Uns stecken schon eine Menge Partys in den Knochen mittlerweile, so langsam wird die Sache auch zur körperlichen Herausforderung, aber auf der Bühne – ehrlich – merkt man uns immer noch nichts an. Wir müssen uns da gar nicht verstellen, der Funke zündet einfach immer noch, wenn schon beim ersten Lied eine Stimmung herrscht, als hätten wir schon eine Stunde eingeheizt. Wenn zu unserem Don Kosakenchor der Saal in einem Meer von Wunderkerzen erleuchtet, wenn wir den Jubel hören, wenn irgendwelche Favoriten gespielt werden, wenn die Hände winken und sich die Paare im Balladenteil in den Armen liegen, wenn knapp 300 Leute eine Melodie erfinden, Flöten und Tröten beklatscht werden, wenn es wie von einem Meisterregisseur gesteuert, abwechselnd laut, lustig, romantisch oder albern zugeht.

Pensen und ich hatten vor dem Konzert das Vergnügen, uns mit einem jungen Türken zu unterhalten. Ich möchte drei Sätze aus diesem Gespräch hier wiedergeben, denn da ging es – wir sind in Leipzig! – um des Pudels Kern:

Onor (ich hoffe, das ist jetzt nicht allzu falsch geschrieben): Ich glaube festgestellt zu haben, daß ein Unterschied zwischen Deutschen und Türken darin besteht, daß wir in der Türkei viel lieber und öfters zusammen singen, als es die Deutschen tun. Da singt meist einer und die anderen hören zu.

Rüdi: Das zeigen wir dir heute anders.

Pensen: Wir wollen Türken sein.

So isses! So gesehen ging es ziemlich türkisch zu in der Moritzbastei. Das Kellergewölbe war ein passendes Ambiente, um „Femme Pia“ starten zu lassen, zum ersten Mal auf Tour spielten wir „Kleiner Zeh“ und im Zugabenteil „Rauchender Rapper“, einen Song aus dem dem ofenfrischen „UKB“-Album. Ein echtes Highlight! Endlich bin ich mal so ein richtig cooler Junge mit falschrumer Mütze und Hose knapp überm Arsch (mein Gummiband war gerissen....). Und wie derbe Timmeys E-Gitarre groovt!! Den kenn ich!!
Es ist wirklich ein tolles Konzert, mittlerweile sind wir echt eingespielt und klingen trotz Hustens, Rücken- und Bandscheibenschmerzen, Schlafmangels und so weiter wirklich gut.

Das wird uns heute in Rostock retten müssen, denn einige von uns waren nach dem Konzert noch in unserer Leipziger Lieblingsbar, dem „Stoned“ und dort haben wir versucht, aus unseren Zipperlein handfeste Beschwerden zu machen.

Es scheint geglückt!

Vielen Dank an die Moritzbastei, an Christian, der sich rührend, um uns gekümmert hat, an Susi, die uns ins rechte Licht gesetzt hat und alle Helfer.
Und an das mal wieder unglaubliche Leipziger Publikum, obwohl auch viele Dresdner da waren. Aber das spielt ja eigentlich keine Rolle. Wir waren ja eh alle Türken.

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