Tourtagebuch

Backstage, München

16. Apr. 2011

von Rüdi

Als ich erwache, liege ich zuhause in meinem Bett. Ein verwirrendes Gefühl zunächst, aber die ersten Gedanken stretchen das Fragezeichen zu einem Ausrufezeichen. Aaaah Konstanz!
Wir haben gestern zum ersten mal in meiner Heimatstadt gespielt und ich bin anschließend von Peter zusammen mit dem ganzen Familienanhang noch nach Hause gebracht worden. Dort dann noch Rotwein.....
Es dauert ein bisschen mit dem Stretchen. Und mit dem Aufstehen auch. Die letzten Tage haben sich als Blei in meinen Knochen abgelagert. Und daß meine Freundin neben mir liegt, macht die Sache auch nicht grad leichter.
Aber es hilft nichts. Schnell einen Kaffee, ein paar frische Klamotten, eine kurze Umarmung für Mama und dann zum Hotel zu den Monsters.
Abfahrt 12 Uhr.
Was für eine schöne Fahrt uns bevorsteht. Zuerst mit der Fähre nach Meersburg und dann übers Land nach Memmingen, weiter Autobahn nach München.
So heißt das heutige Ziel.
Ich halte den Monsters einen kleinen Vortrag über die besonderen kulinarischen Möglichkeiten auf dieser Reise:
„Die Straßen sind hier sehr oft gesäumt von Obst- und Gemüseständen. Es gibt viele kleine leckere Imbisse mit Biosachen oder Fleischereien. Eigentlich kann man hier an jeder Ecke sehr lecker essen und einkaufen.“
„Aha!“ sagen die Monsters interessiert und am ersten McDonald halten wir an.

Nun, wir kommen aber noch zum gesunden und leckeren Essen. Das allerdings gibt es erst im „Backstage“ in München. Angekommen – wohl gefühlt. Wir schauen in einem skurrilen Raum Bundesliga, weil es für Timmeys Mannschaft Hannover 96 um viel geht, allerdings ohne Timmey, weil der seinen Verkaufsstand aufbauen muss, nebenbei erzählt uns unser heutiger Veranstalter Markus, daß gestern tatsächlich Pete Doherty beinahe vor ausverkauftem Haus gespielt hätte, dann aber seinen Auftritt nur vor einer Handvoll Leuten im Biergarten gegeben hat und das ausverkaufte Konzert am Abend wegen aufkommender Unpässlichkeiten vom Hotel aus absagte. Er erzählt das mit einer Gelassenheit, als wäre eine Schüler-Coverband eine Stunde zu spät zum Auftritt erschienen. Cooool!

Dann geht die Tür auf und unser Freund Weiherer kommt rein. Er spielt heute unser Vorprogramm und weil er zurzeit eine DVD über sich dreht, geben Totte und ich ein kleines Interview für das Kamerateam.
Burger hat Besuch von einem befreundeten Fotografen, Börnski hilft Timmey, ich tippe meinen Bericht........

Konzert:

Der Abend beginnt mit dem „Weiherer“. Um es kurz zu fassen: danach wird es schwer für uns. Unglaublich lustige Anekdoten in seiner unnachahmlichen Art vorgetragen zieren seine aussageschwangeren und großartigen Songs in heimischer Mundart. Das Publikum ist begeistert. Zugabe! Zugabe!

Und dann wir.

Wir spielen heute vor rund 600 Leuten. Darum ist die – zwar verkleinerbare – Halle in seiner gesamten Größe belassen worden. Viele Sitzgelegenheiten, viele Freiräume, hier und da eine kleine zusätzliche Tribüne, eigentlich ein schönes Bild, das sich da vor uns auftut. Es ist nur so, daß wir aus kleinen Clubs kommen, in denen wir im Laufe der Jahre einen Anspruch an uns entwickelt haben, der hier nur sehr schwer zu erreichen sein wird.
Wir sind eigentlich immer nur vollends glücklich, wenn Band und Publikum zu einer Einheit zusammenschmelzen und wenn wir auch die hinterste Reihe mit einbezogen bekommen. Dazu ist die Hälfte der Monsters mittlerweile vergrippt und entkräftet, denn heute feiern wir immerhin die 15te Party in Folge. Aber nicht nur wir werden langsam mürbe, auch unsere Instrumente zeigen mittlerweile Ausfallerscheinungen.

Aber bevor ich hier ein Szenario eines misslungenen Abends darstelle, beschreibe ich doch mal den tatsächlichen Abend.

Unsere Ängste sind nur teilweise begründet. Zwar geben im Laufe des Abends diverse Gitarren, Di-Boxen, Stimmgeräte und Kabel ihren Geist auf, aber wir haben ja genug Zeug dabei, um solche Pannen auszugleichen.
Und eine schönere Panne als die bei Sususu, als Totte beim Crowdsurfen endlich in der Mitte des Raumes ankommtnund zu seinem Solo ansetzen will und dann ist die Batterie leer, haben wir lange nicht erlebt.
Zwar kriegen wir den Balladenteil nicht richtig magisch hin, aber dafür werden wir mit einem feierwütigen Moshpit beim stehenden Publikum belohnt. Sitzpogo, der neue Doppelklatscher, Chöre oder das Publikum als percussives Element – das alles klappt heute besonders toll.
Dafür gibt es zum Beispiel die „Zwerge“ als Dankeschön unsererseits, obwohl es nicht auf unserer Setliste steht.
Und zwar beginnt dummerweise ausgerechnet bei „Algerien“ im Raum nebenan der Soundcheck einer Heavy-Metall-Band, so daß man ab der 10ten Reihe garantiert keinen Ton mehr hören kann, aber trotzdem spielt das Publikum mit, verhällt sich muxmäuschenstill und tut so, als wäre nix. Aber wir wissen: Ihr KÖNNT nichts gehört haben.
Und zwar haben wir am Schluss keine Gelegenheit mehr, zu Marias 50ten Geburtstag musikalisch zu gratulieren, aber wir holen das gerne schriftlich in diesem Beitrag nach.
Maria: Alles Liebe und Danke, daß du diesen Tag mit uns verbracht hast!

Es ist zweifellos ein gelungener Abend, wir spielen zeitweise über unsere Kräfte hinaus – beim Expunker sehe ich Sterne, bei „Rauchender Rapper“ auch und die Wasserflaschen leeren sich schneller als zu Tourbeginn. Aber wir kriegen den Abend gewuppt, auch dank eines großartigen Urs, der auf die äußeren Umstände mit seinen technischen Möglichkeiten reagiert und den Raum ein wenig druckvoller du komprimierter beschallt als sonst vielleicht bei uns üblich.
Und natürlich dank eines großartigen Publikums, das heute nicht nur Totte auf Händen trägt. Wir wissen das zu schätzen und haben euch wirklich lieb dafür!
Und das Team vom „Backstage“ ist sowieso der Knaller.
Manche bleiben noch, um ein bisschen nachzufeiern und Gelegenheit ist ausreichend vorhanden – in allen möglichen Räumen ist heute irgendeine Party, dazu lockt noch der Biergarten, aber mir zum Beispiel geht langsam die Puste aus.

Morgen Jena.

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