Tourtagebuch

Sputnikhalle, Münster

07. Mai. 2011

von Rüdi

Wir erwachen im „Etap-Hotel“, Fred und ich haben uns das einzige Doppelzimmer geteilt, während die anderen heute im Einzelzimmer schlummerten. Aber wir beide haben ziemlich gleiche Wohlfühlanforderungen an eine nächtliche Unterkunft: Matratze, Raucherlaubnis und „Phönix“, den einzigen nachts nicht nervenden Sender. Fragt mich nicht, was wir geguckt haben, mein Getränk steht heute Morgen jedenfalls noch vollkommen unberührt auf dem Nachttisch. Aber irgendwie schläft man sicherer, wenn man weiß, daß man ja nur den Arm ausstrecken müsste.....
Um 10 Uhr ist Abfahrt, obwohl der Weg nur aus 80 läppischen ländlichen Kilometern besteht. Eigentlich könnten wir heute ausschlafen, aber Urs muss heute Nacht mit einem Mietwagen nach Berlin und der muss unbedingt bis 12 Uhr in Münster abgeholt werden. Unbedingt! Unsere Angst vor einem Stau wird uns bereits nach wenigen Kilometern genommen, als wir im ersten Stau stehen. Uns stockt das Herz. Aber nach 20 Minuten ist das Problem behoben und wir passieren zwei geschrottete Fahrzeuge samt mental geknickten Inhalts.
Dann geht es übers Land weiter, vorbei am „Totte-Denkmal von Sendenhorst“ (schaut es euch an, dann wisst ihr, was ich meine) und rechtzeitig stehen wir vor der Autovermietung.
Öffnungszeiten: 9 – 18 Uhr......

Im Hotel angekommen, verstreut sich die Band in alle Richtungen – essen gehen, Fingernägel reparieren, Bericht schreiben, telefonieren, Phönix gucken, Gästebuch checken.

Um 16 Uhr geht’s dann zum Club, in die „Sputnikhalle“ zu Münster. Hier werden wir heute das 24. Konzert unserer Tour spielen. Wir schleppen uns durch die schwüle Hitze des Clubs, hängen auf den Ledersofas rum, gucken Sportschau, essen Pizza – es ist schwer, in die Gänge zu kommen und ich habe schon wieder Angst vor den Scheinwerfern, die mein eh schon schwergängiges Hirn heute auskochen werden. Der Vorverkauf lief gut, es wird voll werden und vor der letzten kleinen Spielpause möchten wir es eigentlich ganz gerne noch mal wissen. Aber zwischen Wunsch und Machbarkeit liegen im Moment ungefähr 10 Grad Celsius und 8 Stunden Schlaf.

Es wirkt, als würde selbst die Uhrzeit sich nur mühsam vor sich hin schleppen, aber dann wird es doch 20 Uhr und wir hören schon die Chöre.

Meine Einschätzungen waren vollkommen richtig. Es ist unerträglich heiß und ich sitze da mit meinem blöden eitlen Cappy und meinem Sakko und denk mir während der ersten drei Lieder nur „WASSER!!!“
Das Münsteraner Publikum scheint allerdings bei solchen Temperaturen Idealbedingungen zu empfinden und geht gleich vom ersten Lied an in die Vollen. Die wollen offenbar keine Zeit verlieren und stellen bei allen interaktiven Szenen Rekorde auf. Der „Doppelklatscher“ wird zum ersten Mal von so ziemlich allen von Anfang an mitgemacht und bei Sitzpogo stellt das hirnwache Völkchen die Einigkeit einfach dadurch her, daß sich alle hinsetzen. Alles ist sehr aufgeweckt und munter und das steckt jetzt auch mich wieder an. Seit der „Weltklassemelodie“ habe ich keine Angst mehr vor einem Kreislaufkollaps, die ging richtig gut und so traue ich mir nach und nach immer mehr zu in dieser Hitze. Mein Cappy und mein Sakko trage ich nur noch, wenn es zur Show gehört oder ich cool sein will, wie zum Beispiel bei „Snoop“ oder „Rauchender Rapper“ oder wenn ich Jan Ullrich bin.
Der ganze Abend entwickelt sich zu einer ausgelassenen Sause, die Pause wird verkürzt, damit um 23 Uhr pünktlich die Disco anfangen kann und wir geben angemessen Gas, damit wir kein Lied streichen müssen.
Auch der Balladenteil ist heute kein Problem, nein was sag ich da: er ist wunderschön! Das Publikum ist einfach auf der Höhe und ich weiß nicht, wie man das bei solchen Temperaturen hinkriegt.....
Niemand scheint nach dem dreistündigen Konzert die Hitze mit übermäßig viel Bier gelöscht zu haben, denn selbst „Eschnapur“ klappt wieder, obwohl wir anfangs das Lied entweder streichen oder verstärkt spielen wollten. Wir konnten uns nicht vorstellen, daß das heute gut geht, aber wir haben uns getäuscht.

Am Ende ist doch wieder alles schön und wir haben allen Grund, glücklich zu sein. Glücklich über euch, über uns, über das Wetter und die 24 Konzerte, die hinter uns liegen.

Das alles geht aber nur so leicht von der Hand, wenn man Veranstalter hat, die dafür sorgen, daß wir uns wohl fühlen und wir haben uns sogar sehr wohl gefühlt in der „Sputnikhalle“.

Eine Woche ist jetzt Pause. Da können wir uns erholen, unsere Dinge erledigen, unseren bürgerlichen Berufen nachgehen und von Münster träumen.

Schön wars!

Galerie

Podcast