Tourtagebuch

TuFa, Trier

06. Apr. 2011

von Rüdi

Tag sieben. Ich krieg mein Gehirn nicht in Gang. Wenn hinter mir die Hotelzimmertür zuklappt, liegt die Karte natürlich drinnen, wenn ich die Dusche anmache, sprüht mir der Duschkopf Eiswasser ins Gesicht. Und wenn ich dann panikartig die Kabinentür schließen will, klemmt die natürlich und ich setze das Bad unter Wasser. Beim Zigarettenkaufen lege ich einen Fünfer auf die Ablage, sage „Danke“ nehme den Fünfer und verlasse den Laden, während drinnen de Verkäuferin mit der Zigarettenpackung winkt. Und beim Eintippen des Tourberichts treffe ich ständig daneben – alles braucht heute länger, alles ist zuerst mal falsch. Au weia – hoffentlich bleibt das nicht so.

Wir checken ein, ich kriege Zimmer Nr. 206 und stehe anschließend ein kleines Weilchen fluchend vor der 106, weil ich die Tür nicht aufkriege.

Um 15 Uhr haben wir einen Pressetermin mit dem „Stadtradio“. Eigentlich sollten wir um 16 Uhr dran sein, aber den Termin hat jetzt Norbert Blüm, der nicht anders konnte. Also machen wir das Vorprogramm von ihm. Dazu kriegen wir Kaffee, schäkern mit den Praktikantinnen und drehen einen Podcast. In der Sendung spielen wir „Auflaufform“ und füllen weitere drei Minuten mit Kurzinformationen und Gelächter. Zum Abschied wünscht uns Norbert Blüm „Gut Holz!“ (seht euch bitte den Podcast an!)

Im Kaufhaus nebenan wollen Burger und ich uns einen schönen leckeren Wein für heute Abend holen, aber dummerweise geht die Tür nicht auf. Noch dümmerweise stehen wir aber vor dem Ausgang......es wird einfach nicht besser.

Vielleicht werde ich aber auch nicht frisch, weil ich mich seit gestern nur noch in einer Blase aus Fettgeruch bewege (siehe Tourbericht) und das Hirn den ganzen Tag auf Verdauung umgestellt hat, während dem Körper der Appetit vergeht.

In der TuFa werden wir von Claudio und Timmey empfangen, der Saal ist praktisch komplett bestuhlt. Vor meinem geistigen Auge spielt sich ein Idealszenario ab, wie der Abend vielleicht verlaufen könnte und der Wein, den Burger und ich gekauft haben, könnte dazu durchaus das stilgerechte Getränk sein.

Da unsere Freakfans nicht vor dem Club rumlungern, um uns zu begrüßen (das meine ich nett – ihr wisst das, Mädels), gehe ich davon aus, daß sie wohl auf der anderen Hausseite sitzen werden – und richtig!

Dann will ich meinen Rucksack aus dem Bus holen und er ist nicht da. Offenbar stand der vorher noch herrenlos vor dem Hotel und irgendwer hat ihn gesichert. Es nimmt kein Ende mit meiner Hirnschwäche. Aber dank eines geliehenen Fahrrads kann auch dieses Problemchen gelöst werden. Und Spaß macht es auch, denn das Wetter ist Bombe!

Konzert

Es ist ein ungewöhnliches Konzert heute. Nicht nur daß es komplett bestuhlt ist, sondern auch daß prompt niemand steht. Man könnte ja, wenn man wollte. Aber die Trierer sind offenbar eher auf Entspanntheit aus. Das zeigt sich schon bei den ersten Nummern, die wir spielen. Zwar werden wir von unseren so genannten Hardcorefans heute mit Haifischcappys begrüßt und auch aus dem Saarland und Luxemburg scheint eine hochmotivierte Fraktion angereist zu sein, aber das Gros der Leute möchte doch eher von uns unterhalten werden, als sich am Geschehen direkt zu beteiligen. Das soll jetzt bitte in keinster Weise als Kritik missverstanden werden, ich persönlich mag das sogar sehr und deshalb freu ich mich auch durch den ganzen Abend. „Weichei“ wird seit langen mal wieder aus der Versenkung gehoben und auch „Montag“ taucht zum ersten Mal auf dieser Tour auf. Bei der „Weltklassemelodie“ wette ich mit der Band, daß wir aus dem Stand und ungeprobt einen mehrsätzigen Chor hinkriegen, setze die Hauptstimme aber dann so hoch an, daß leider keiner auch nur die kleinste Chance hat, da noch Zweitstimmen drüber zu setzen. Dafür macht das Publikum mit und sorgt für einen schönen Moment, den ich morgen in Marburg gleich noch mal versuchen will. Die Sache mit dem Rotwein funktioniert übrigens großartig, sieht nicht nur vornehm aus, sondern eignet sich auch als Kunstblut bei „Femme Pia“, Modenschau-Accessoire und rülpsfreie Getränkezufuhr. Wir erinnern uns wieder an das Riesen-U von gestern, solche bescheuerten Kleinigkeiten machen uns einfach Spaß und wir hinterlassen glaube ich auch das ein oder andere Fragezeichen. Es macht mit wer will und wem das alles nicht ganz geheuer ist, der lässt es eben bleiben und genießt die Show auf die relaxte. Es ist wirklich ein unverkrampftes, entspanntes Mitmachding, es sitzen auch relativ viele Leute im Publikum, die fast schon in meinem Alter sind und uns das Gefühl von Seriosität geben. Daß das jetzt nicht unbedingt direkt auf uns abfärbt, ist schon klar, aber wir genießen auf jeden Fall das Interesse aus dieser Welt.
Kurzum: Ein Abend, der uns in Erinnerung bleiben wird. Wegen des wunderschönen Balladenteils, wegen des Riesensitzpogos, wegen.....

Wegen dieses komischen Gefühls, daß da im Laufe des Konzerts aufkam, als uns klar wurde, wie bunt diese Tour ist, was wir alles erleben dürfen und daß wir auch ein bisschen stolz darauf sein können, daß wir so ziemlich in jedem Rahmen zu unserem Ding finden. Heute war Vollbestuhlung, morgen werden wir wahrscheinlich vor Ölsardinen spielen.

Zum Glück müssen wir uns nicht entscheiden.

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