Tourtagebuch

Hallenbad, Wolfsburg

28. Apr. 2011

von Rüdi

Was ist passiert?
Warum heiße ich Labinski, teile mir mit Urs ein Einzelzimmer und schaue die „Royals“?
Eine Erklärung wäre: Weil Prinz William heiratet und ich so was lieber unter falschem Namen gucke.
Aber ich spule mal zurück und guck noch mal genauer nach:



Donnerstag, 28. April, Wolfsburg

Der Tag ist geprägt von Zeitdruck. Ich muss noch ein letztes Mal in meine Berliner Wohnung, bevor sie für mich Geschichte ist und ich muss Schlüssel übergeben, ein Fahrrad überführen et cetera pp, dazu auf der Busfahrt das Tourtagebuch schreiben, bevor wir in Wolfsburg sind, weil wir dort eine Bandbesprechung haben und nach Wolfsburg ist es nicht gerade weit. Also schnell, schnell, schnell!!! Kaum sitze ich im Bus, übermannt mich die Müdigkeit und ich schlafe ein. Toller Plan!
Als ich wieder erwache, sind wir bereits vor Ort.
Volkswagen. Wohin das Auge sieht: Volkswagen.
Aber auch einen lustigen Vintage-Läden kurz vor dem Club, der doch tatsächlich echte Farbfernseher verkauft!

Im „Hallenbad“ – dem heutigen Ort des Geschehens – angekommen, stellen wir uns kurz vor, laden aus, essen Brötchen und suchen uns einen passenden Tisch für unsere Besprechung. Es ist nämlich so, daß, wenn sechs beziehungsweise acht Jungs auf engstem Raum zusammen unterwegs sind - und das schon seit Jahren, dann muß man sich hin und wieder innerlich synchronisieren. Die Tour war bisher sehr anstrengend. Wir durften großartige Abende erleben, überall wurden wir herzlich empfangen und mit dem ersten Blick betrachtet, haben wir allen Grund für ziemlich hohe Freudensprünge.
Aber es hängt eine Menge mehr an so einer Band, erst recht, wenn sie ein so seltenes Konzept hat, wie unsere. Unser Geheimnis ist eben nicht nur die Freude an der Musik, sondern auch an unserem Miteinander. Wir müssen unbedingt Freunde bleiben, sonst funktioniert das alles nicht und dazu müssen wir uns immer mal wieder die Zeit nehmen für persönliche Aussprachen. Und heute ist so ein Tag und wir nehmen uns diese heilige Zeit.

Als wir mit der Besprechung fertig sind, passieren plötzlich ganz merkwürdige Dinge. Ich weiß zum Beispiel nicht, warum wir beim Soundcheck komplett alle nur in Unterhose da sitzen. Oder warum wir beim Auftritt die Hosen alle bis über den Bauchnabel gezogen haben und bei mir sogar das Sakko in der Hose steckt. Keine Ahnung.
Übersprungshandlungen?
Es beginnt jedenfalls wie auf Kommando ein ziemlich ausgelassenes Konzert mit ziemlich vielen ziemlich bekloppten Szenen, seltsamen Ansagen, ausgefallenen Gitarren, verpuffenden Batterien und wackelkontaktenden Kabeln. Ich kann das Ding mit dem Sakko in der Hose leider nicht lange durchhalten, weil mir erstens die Luft weg bleibt und ich zweitens die Arme nicht mehr richtig über den Kopf kriege, was ja für ein Monsters-Konzert unabdinglich ist. Es herrscht ein merkwürdiges aber charmantes Chaos auf der Bühne und das bei unserem allerersten Auftritt in Wolfsburg. Konzentrationsschwächebedingte Textausfälle werden durch Freestyle prompt wett gemacht und einige Lieder bekommen auch ein neues musikalisches Gewand. Einfach so, weil wir Lust drauf haben. Bei „Weltklassemelodie“ kriege ich zum mittlerweile ca 50ten Mal in Folge die Zeile „musikalische Liebesgrüße“ nicht mehr richtig über die Lippen und so weiter und so fort. Aber es macht Spaß und den 330 Gästen auch.
Dann nach der Pause ein seltsamer Energieschub.
Wir werden so charmant angestrahlt und alle im Saal unterstützen uns so sehr – wir wären nicht die Monsters, wenn uns ein solches Funkenbombardement nicht anzünden würde. Plötzlich werden die Ansagen auch fürs Publikum nachvollziehbar, die Interaktionen nehmen zu, die Lieder werden besser gespielt. Als „Sahnehäubchen“ einer der besten Balladenteile der Tour.
Und um uns selbst zu beschenken, bitten wir bei „Rauchender Rapper“ unseren Mercher und Tourleiter Timmey mit auf die Bühne. Coooool! Das macht Spaß!
„Zwerge“, „Sususu“, „Interesse ist gut“ – was für ein tolles Programm! – denken wir plötzlich und am Ende liegt sich die gesamte Band inklusive Crew in den Armen und ist in sich selbst verliebt!

Wir bekommen noch den besten Flammkuchen der Welt zu essen und mit Andre von „Null Bock“ und Lare, einem unserer ersten Veranstalter, den liebsten Besuch der Gegend, aber das ist nur das I-Tüpfelchen auf einem so wunderschönen, großen, fetten „I“!

Liebe Wolfsburger, wir danken euch für diesen Abend. Lieber Dennis, Danke für deine Fürsorge, lieber Martin, liebe Küche.......

Derart angeschickert, betreten wir die Rezeption des Hotels. Und weil wir nun mal grade laufende Glückshormonbomben kurz vor dem Platzen sind, bricht jetzt ein kleines Eincheck-Verwirrspiel aus.

Darum bin ich Labinski, aber wer nicht dabei war kann das auch nicht lustig finden.

Chapeau, Wolfsburg!

Morgen Magdeburg.

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