Tourtagebuch

Kantine, Augsburg

07. Feb. 2013

von Jan Tenner

Das Weltall gehört uns allen. Bericht folgt.
Stimmt. Nun aber zum Bericht:
Ausnahmsweise zwinge ich mich Euch nochmal auf. Ich hab gerade Zeit und Lust und dieses Egoding verführt ja doch dazu, sich hier hin und wieder verewigen zu müssen.
Der Tag beginnt mit einem Blick in weiße Weiten. In Wahrheit natürlich viel früher aber da ich in der Koje unseres Superbusses immer so tief schlafe, bekomme ich kaum was mit von der Welt. Für ein eher phlegmatisches Gemüt wie meins ziemlich passend, andererseits ist man so einfach nie eine große Hilfe, wenn es um Logistik oder sonstiges Tourdrumrum handelt.
Die Checker der Band haben stets schon geklärt, gemacht und getan, dann schlurf ich in den Raum und bekomme höchstens ein 'wosdenndiedusch?' heraus. Mui liebenswert.
Wo war ich? Ach ja: Weiße Welten und ein sehr stockwerkiger Club, durch den ich mich bis in den Backstagebereich forsche, wo Fred bereits fleißig Podcasts schneidet und Papierkram erledigt. Auch wieder so ein Vergleich: Ich hab noch nicht mal eine Seite Buch gelesen auf dieser Tour. Auch etzt nuschle ich nur 'wondiedusch?' und begebe mich nach Auskunft dahin.
Da kratzt doch was im Hals. War das gestern schon? Oder war das gestern noch Kater und heute was anderes? Kurzes hypochondrisches Insichgehen, dann aber zugunsten der Nikotinsucht back to Phlegma. Wird schon.
Diverse Kollegen hats da eindeutiger erwischt: Husten, leichtes Fieber, let's have a flu. Andere regenerieren schon wieder. So macht man das wohl im Februar.
Ich trag jetzt hier mal ein paar Fakten zusammen: Wir sind im Februar erstmal in Augsburg, zeitgleich mit dem Faschingstart, Schnee und Eis auf den Straßen und die Hälfte des Mol-Kollektivs kränkelt. Und trotzdem ist die Stimmung gut, zwischen Freude und Ibuprofenräuschlein leicht und leicht schlapp gekräuselt. Aber wirklich toll. Nur erzählen kann man nix drüber, weil selbst die Weltliteratur lange Harmoniephasen nicht verkraften konnte.
Drum erzähl ich jetzt was anderes: Nämlich daß das Clubteam der Kantine um Chef Gabriel supernett und gut gelaunt sind, daß Labörnskis Bruder vorbeischaut, daß uns heute unser Freund und Kollege 'Weiherer' (weiherer.com) besucht und supporten wird (wie sollte es anders sein: auch er leicht verschnupft) und daß ich mit sehr großer Freude zuletzt den Roman: 'Das Scheißleben meines Vaters, das Scheißleben meiner Mutter und meine eigene Scheißjugend' gelesen habe. Tut nichts zur Sache? Ist aber ein tolles Buch. Und irgendwo muß man das ja mal erwähnen. Soelve, unser grandioser Busfahrer muß erst morgen früh wieder ran und hat so endlich auch mal die Gelegenheit auf ein Bier, was sehr schön ist und von Herzen zu gönnen.
Auch toll die Maccheroni, die mir die Kollegen vom Essen mitbringen. Da wir heute ein Meet and Greet haben sollen, bleib ich als Empfangsaufgebot im Club, wegen der Glätte draußen aber kommt erstmal keiner und dann esse ich doch alein. Sido übrigens scheint sehr gerne bei Interviews zu essen und da ich sehr gerne Leuten zusehe, die essen, bin ich bestimmt ein profunder Kener von Sidointerviews. Was gesagt wird, ist meist egal, was er ißt aber interessant: Einst Schnitzel Wiener Art, nun Sushi. Life of a popstar. Keine Zeit für nix. Apropopos Zeit:
Zeit für den Weiherer, die Stage zu entern und ein gewohnt souverän superbes Konzert zu geben. Wie auch anders? Schlecht kann er gar nicht, ist nicht in seinen Genen verankert.
Das Augsburger Publikum, das sich - allen Schnee- und Faschingswirren zum Trotz - höchst erfreulich zahlreich eingefunden hat, sieht das mit dem Weiherer ähnlich und schon bald brennt die Luft.
Danach Showtime Monsters: Zum siebten Mal in Folge auf die Bühne losgelegt. Und doch ist es immer anders. Über unsere veränderte Setlist mit vielen länger nicht gehörten Schmankerln hat sich Rüdi ja ausgelassen, ich nicke und habe nothing to add.
Stimmlich ist das heute vielleicht nicht unser glänzenstes Konzert, aber Februar und so. Dafür gibt es viel zu lachen und vor allem ein Publikum, das uns vor allen Gefahren des Abschlaffens unfaßlich lieb schützt, sei es durch Mitgesinge, sei es durch lachen, sei es durch wilde Pogoextasen. Auch eine Karnevalsprinzessin (im Halloween-Slaughterstyle) hat sich eingefunden, da Burger aber vergessen hat, daß heute Karneval ist, verbringt er viel Zeit mit grübeln auf der Bühne.
Labörnski zwitschert spontan schönste Vogelmelodien, Fred spielt Flirtcouch mit Teilen des Publikums und da ging bestimmt noch viel mehr. Aber der Moment entscheidet. Richtig? Richtig. Es ist ein hübsch chaotischer, lockerer Abend mit viel Liedermachingflair und er geht in der Folge zumindest für Teile der Band noch weiter.
Erstmal trinkend und schnackend bei Timmey am Stand, der sich besonders mit dem Thresenpersonal angefreundet hat, wie man seinen glänzend roten Augen ansieht.
Dann später auf einer sehr kuscheligen Küchenparty der WG von den 'vonhierunten.de'-Damen mit Timmey, mir (der Esel nennt sich an zweiter Stelle), Pia, Tanja, Jana, Markus, Franz und Pascal, auf der uns allen voran letzterer total begeistert mit einer Aufnahme seiner Band 'Eskalations-Kommando' Genau so MUSS Punk sein. Und drum wird hier alsbald ein Link zu besagtem Lied weisen, denn nacherzählen reicht da nicht.
Ansonsten exqusite Musik vom Band, Bier und Wodka und lauter liebe Menschen. Auch hier wieder: Harmonie. Schön zu erleben, schlecht für Weltliteratur (Jaja, Weltliteratur. Das hier oder was?...)
Irgendwann muß dann aber doch die Vernunft siegen und Timmey et moi verabschieden uns herzlich, steigen ins Taxi und stehen alsbald auf flaumifem Weiße vor verschlossenem Tor. Das ist jetzt blöd, denn auf der anderen Seite des Zauns steht der Bus. Jetzt wen wecken, der uns das Tor öffnet? Etwas weinen? Ach nö, lieber über den Zaun, über StocküberStocküber Stein und wie ein Schneemann auf der richtigen Seite landen. I'm Batman, glaub ich. Nur nicht so talentiert.
Augsburg, das war ein sehr schöner Einstand bei Euch. Es blüht viel Dank und ein Wiedersehen steht hoffentlich bald an.

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