Tourtagebuch

Kreuz, Fulda

05. Feb. 2013

von

Heute werden wir bekocht! Wir reden seit Tagen davon. „In Fulda werden wir wieder von Petra bekocht! Wisst ihr noch? Beim letzten Mal?“
Alle wissen es noch. Es ist einfach unvergesslich lecker und mit viel Herz und Liebe gekocht, was wir hier im „Kreuz“ immer aufgetischt kriegen. Und um die Vorfreude richtig anzuheizen, hat Petra schon mal eine Menukarte an die Bonboniere gelehnt. Zur Begrüßung werden wir in den Arm genommen, es gibt Kaffee und Brötchen und wir dürfen uns zuhause fühlen. Soelve macht sich auch schon ein Bier auf, denn er hat jetzt für ne Weile Feierabend und wird den Abend beim Konzert verbringen.
Soelve.
Dank Soelve führen wir ein bequemes Leben auf dieser Tour. Er fährt uns durch die Nächte, erklärt uns die Clubs, putzt uns auch ein bisschen hinterher, wobei wir uns Mühe geben, nicht allzu schlimm zu sein. Wir dürfen getrost feiern, während er hinter dem Vorhang schläft, Musik hören, Filme gucken, diskutieren und gackern. Aber eines dürfen wir nicht: Flüstern.
Er passt prima in unseren Monsters-Kosmos, ein interessanter und interessierter Typ, selbst auch Musiker und somit alle Seiten des Tourlebens kennend. Eine echte Bereicherung für uns.
„Prost, Soelve! Wir wünschen dir einen schönen Abend!“
Burger lernt heute, dass man und warum man Sekundenklebertuben nicht mit den Zähnen aufbeißen sollte. Das ist in etwa so, wie an kalten Laternen lecken. Es macht nur für einen kurzen Moment Spaß.
Fred macht derweil einen Busausflug in die Stadt, wo er eine unglaublich lustige Geschichte erlebt, aber das wird er auf der Bühne noch thematisieren. Wir wissen auch nichts näheres.
Börnski ist mittlerweile völlig vergrippt und man findet ihn meist unter Tüchern und über dampfenden Schüsseln.
Mein Bruder Konrad ruft mich an und sagt, dass er witterungsbedingt nicht wird kommen können – eine ungute Vorbotschaft. Es wird nicht unbedingt voll werden heute Abend. Fulda ist eigentlich nur noch mit Schlittschuhen erreichbar.
Nach dem Soundcheck gibt es dann das lange ersehnte Essen – es ist der erwartete Traum, inklusive einer Orgie von einem Nachtisch.
Unser Freund Bastian, selbst Veranstalter in Meiningen und Kassel, kommt vorbeigeschneit und bringt mir ein paar Souvenirs von unserem letzten Treffen mit. Wir feiern das mit Koks-Wodka – einem absolut legalen Energie- und Betrunkenmachgetränk, wie das Team vom „Kreuz“ bald erleichtert feststellt, nachdem vorher einer durch den Raum gerufen hat: „Bringst du bitte ne Palette Koks aus dem Bus mit?“

Angeschickert und glücklich gegessen betreten wir pünktlich um 20 Uhr die Bühne.
Es hat sich doch noch recht ansehnlich gefüllt. Zwar sind weniger gekommen, als wir dann doch noch gehofft hatten, aber wer heute durch Schnee und Eis den Weg zu uns gefunden hat, der möchte den Abend auf jeden Fall mit uns genießen. Schon im ersten Lied wird Pyrotechnik abgefackelt, wahrscheinlich schon gezündet, bevor der erste Ton erklingt, denn es wirkt ein bisschen unpassend zu unserem bewusst unspektakulären Anfang. Aber es ist ein schönes Bild, das deutlich macht, daß unser aktuelles Programm lässiger und ruhiger ist, als das der Novembertour. Das scheint den Fuldaern ohnehin entgegen zu kommen, denn ein guter Teil ignoriert unsere Aufforderung zum Flummygehüpfe und zieht es vor, sich die Sache in aller Ruhe anzuhören. Geht auch und genau so gut. Dann erzählen wir eben Geschichten, zum Beispiel die Sache mit Fred und seiner Busfahrt. Aber leider ist es nicht ganz leicht, auf der Bühne eine Geschichte durchzubringen, ohne daß ein anderes Monster einem ins Wort fällt. Auf irgendeine nicht mehr nachvollziehbare Weise endet die spannende Story in einer Neukomposition namens „kritischer Wein“. Auch zum Beispiel ein Pressefotograf kann einem unverhofft in die Quere kommen, indem er doch tatsächlich im falschen Augenblick ein Foto von uns macht. So was aber auch! Wir einigen uns mit ihm darauf, daß wir am nächsten Tag die Titelstory bekommen. Es ist doch alles ein Geben und Nehmen!
Wenn doch nur diese Busfahrtgeschichte nicht wär. Obwohl das Publikum die Pointe einfordert, Totte die Geschichte in so ziemlich jedes Lied einbaut und ganz furchtbar viele Menschen heute nicht werden schlafen können: Fred weigert sich, die Sache aufzuklären.

Erst am Ende, redselig getrunken, wird er es mir in dieser Nacht erzählen.
Ich kann euch sagen.....

Mach ich aber nicht.

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