Tourtagebuch

Vier Linden, Hildesheim

02. Feb. 2013

von Rüdi

Ein unspektakulärer Nachmittag schleicht sich durch den Tag. Wir sitzen im Bus und warten. Im „Vier Linden“ laufen die Heizstrahler auf Höchststufe, aber noch ist der Saal und der Backstage bitterkalt und der wohnlichste Ort ist eben unser Bus mit seiner Raucherlounge. Zwar versuchen einige Monsters, den Tag dadurch aufzupimpen, indem sie schwimmen und wellnessen gehen wollen, aber auch die sind schnell wieder da, weil das Schwimmbad ausgerechnet heute geschlossen bleibt. Die hartgesottensten Naturburschen unter uns gehen vielleicht mal ein paar Meter spazieren – Zigaretten holen und so – aber die meisten sitzen eher im Stand by - Modus nur so rum. Soelve, unser Fahrer, kauft umsichtig im Blumenladen ein paar Blumengedecks, damit wir es auch wirklich hübsch haben im Bus. Gesprächsthemen sind zum Beispiel Fußball, Essen, der gestrige Tag, die Setliste und die Tür zum Club, die immer wieder ins Schloss fällt.
Endlich ist 16 Uhr und wir können unsere Siebensachen in den Club laden, ein kurzweiliges Unterfangen, aber danach haben zumindest Timmey und Urs schon mal etwas zu tun. Die anderen treffen sich wieder im Bus und warten. Ab und zu flattern Bundesliga-Zwischenstände rein und an demjenigen, der sie ausruft, erkennt man dann, um welche Mannschaft es geht.
Ja, so ist das bei uns. Spannender wird erst der Abend werden, wenn rund 300 Gäste das „Vier Linden“ bevölkern werden und unser Vorprogramm „Fabian Schulz“ das Konzert eröffnen wird. Also spulen wir doch direkt mal vor – wir verpassen wirklich nichts – und jetzt – mach mal langsam – Halt! Stop! Jetzt steht er auf der Bühne. Das ist er. Zurück auf Play.
Fabian Schulz ist seit vielen Jahren durch verschiedene Stränge mit unserer Band verbunden und wir bewundern ihn für sein ausgefeiltes und intelligentes Songwriting. Außerdem ist er ein Könner auf seinem Instrument und er kann toll singen. Dass er darüber hinaus auch noch Technik einzusetzen weiß, beweist er uns heute mit seiner Loop-Station allerdings zum ersten Mal und es dauert nicht lange, bis der ganze Saal mitbekommt, dass da ein Geschenk steht, dem man besser lauschen sollte, als sich ein Getränk zu holen. Er spielt eine Handvoll mitreißender Lieder, ernsthafter, als wir es von ihm gewohnt sind, aber wir wissen um seinen Facettenreichtum und sind nicht wirklich überrascht von seinem starken Auftritt.
Im Backstage läuft auch Achim durchs Bild, er schaut für ein paar Stunden vorbei, um nach seinen Schützlingen zu sehen. Und Lare und Mario. Und Burgers Familie. Lauter freudige Umarmungen sieht man da. Und vorfreudige Monsters, denn jetzt ist es so weit.
Fabian erntet seinen hoch verdienten Superapplaus, Urs legt „Alf“ ein und wir suchen uns im Stockdunkeln zwischen all den Kabeln und Koffern den Weg zu unseren Stühlen.
Erst als ich sicheren Halt auf meinem Stuhl habe, riskiere ich einen Blick in den toll gefüllten und eh wunderschönen Saal.

Party. Wir feiern heut ne Party.

Spätestens bei der ersten Möglichkeit verwandelt sich das zu weiten Teilen sitzende Publikum zu einem Stadionchor, zu einem sitzpogenden Mosh oder zur Schunkelrunde, was halt gerade passt. Bei samstagabendtypischer Ausgelassenheit wird gehüpft, getanzt, gefeiert und auch ein bisschen rumgegröhlt, aber alles friedlich und freundschaftlich. Wenn zum Beispiel eine Polonaise angezettelt wird, wird sich tatsächlich während der Strophe vor der Bühne hingesetzt, damit ja keinem die Sicht versperrt wird. Aber dann geht sie gleich weiter, die Polonaise, und da kann einem schon schwindelig werden und hupps liegt man da auf der Fresse und der doofe Rüdi lacht sich kaputt. Aber wir haben es nötig! Wir wissen ja noch nicht mal, an welchem Fluss Hildesheim liegt und in welchem Club wir doch gerade spielen. Und das nach dem Geographiekurs von gestern....
Aber Fred und Totte bauen ihre Faux pas durch unzählige spontane Textvariationen in ihre Lieder ein und heilen so jede etwaige lokalpatriotische Wunde, denn wir wissen sehr wohl, wo wir uns hier befinden und was wir gerade aneinander haben. Der Abend gebiert denkwürdige ausschweifende Ansagen und Songversionen, wie zum Beispiel eine der lustigsten „Türen“-Versionen vielleicht überhaupt – Huiiiiiiii! Dann kommt Schnaps auf die Bühne und wir kippen ihn auf den Abend und auf alle, die ihn hier bereichern. Auf die schönen Lieder, auf die schönen Zeiten, die wir mit euch erleben dürfen und auf eine weiterhin schöne Tour. Das aktuelle Programm macht wirklich Spaß, zu spielen und ich glaube, man merkt uns das an. Es wirkt vielleicht ein wenig entspannter, ruhiger und nostalgischer als unsere Novembertour, aber das darf ganz offenbar auch so sein. Wenn wir euch nicht falsch verstehen, wenn ihr am Ende alle aufsteht und Monsters-Chöre anstimmt. Vielen Dank und unsere ernst gemeinte Verneigung für diesen lustigen Abend und all die Highlights, die Ihr gesetzt habt! Wir fühlen uns geschmeichelt.

Auf dem Merchstand steht eine neue Lampe, ein Geschenk unserer Hardcorefans und dahinter ein glücklich getrunkener Timmey, der beschlossen hat, daß er sich jetzt „eightyone five“ nennen will. Aber Freunde dürfen ihn „Feifie“ nennen.

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