Tourtagebuch

Rosenkeller *ausverkauft*, Jena

06. Feb. 2013

von Rüdi

Tom sieht noch genau so aus wie früher. Wir haben uns Jahre nicht gesehen – warum überhaupt – und jetzt steht er da, wie durch die Zeiten gebeamt und ist erst mal baff neben uns auch noch seinen alten Bekannten Soelve zu sehen. Die beiden gehen ein paar Straßen spazieren und schauen sich die Einparksituation am „Rosenkeller“ an.
„Wird gehen.“ – sagt Soelve, als er wieder einsteigt.
Geht aber doch nicht, weil zwei blaue Autos im Weg stehen. Sobald eines wegfährt, können wir uns vor den Club stellen.
Es fährt aber keines weg und so bleiben wir erst mal und im übrigen auch überhaupt da stehen, wo wir gerade stehen und machen uns im Keller über die Brötchen her. Seitdem wir das letzte Mal hier waren, gibt es jetzt einen neuen Raum, etwas größer als der alte, aber wir fragen uns trotzdem, wie da heute Abend 200 Leute reinpassen sollen. Ein paar Restkarten werden an der Abendkasse noch verkauft werden, dann ist der Saal voll, zumal wir die ersten Reihen ja wie immer bestuhlen wollen.
Ich überrede den immer noch vergrippten Börnski zu einem Whiskey, damit er in der Koje noch ein bisschen schwitzen kann und wir tragen unsere Gläser zum Bus, wobei wir dieses Mal den Weg außen rum nehmen, weil er vielleicht weniger Stufen hat. Pustekuchen.
Der Ladeweg wird furchtbar, egal wie rum.
Unter den schlimmsten Ladewegen gehört dem „Rosenkeller“ eine Top-Platzierung.
Wir packen das Merch in kleine tragbare Päckchen zusammen, die wir sturzmutig die steilen Steintreppen herunterbalancieren, um dann wieder nach oben zu röcheln, bis nichts mehr da ist. Ganz als letztes erbarmt sich noch irgendeiner der sperrigen Merchwand, aber mir zittern die Knie - ich bin es nicht. Puh! Geschafft! Zur Belohnung gibt’s eine Zigarette im Bus.

Jena...Rosenkeller....
Da kommen Erinnerungen hoch. Wir hatten damals mal ein Spiel gespielt, bei dem jeden Tag ein König, ein Bestimmer ausgelost wurde. Ich war König in Jena. Ich musste mir einen Duschvorhang umbinden und eine Burgerking-Krone aufsetzen und mit der Band ins „Titty-Twister“ gehen. Ich saß da wie ein Depp mit ganz schlimmen Freunden, der morgen verheiratet wird und gleich ne Runde „Feigling“ verteilt.
Der König von Jena....
Aber solche Geschichten entstehen nur nach ausgelassenen Konzerten und dahingehend haben wir die besten Erinnerungen an Jena und den „Rosenkeller“.

Ich versuche mich zu erinnern, wo genau die Bühne damals stand und irgendwo hab ich beim Soundcheck zum Banjo getanzt, das ist auf der „Männer wie uns“ – DVD drauf.

Hmm...

Kalt ist es, aber oben stehen schon die Leute in der wirklichen Kälte und gleich kommen sie rein und dann wird’s hier kuschelig.

Man sollte auf jeden Fall gut gepinkelt haben, bevor man heute auf die Bühne geht, denn der Weg zur Toilette ist erstens weit und zweitens von den Zuschauern versperrt.
Alle gepinkelt? Dann los!

Wir bahnen uns auf die Bühne und starten die Zeitmaschine. Auf dem Display steht „früher“ und es wird wie früher. Hier, in diesen liedermachingträchtigen Gewölben haben wir dereinst die Lieder vorgestellt, von denen wir heute wieder einige entstauben wollen. Zwar gehören weite Teile des Abends natürlich der „Schnaps und Kekse“-CD und ihren Songs, aber die heimlichen Stars sind in diesem Ambiente die alten Lieder: „Psychoanalytiker“, „Ronald Regen“, „Frühling“, „Systemficker“
Obwohl es tatsächlich sehr voll ist, wird gemeinschaftlich geschwelgt, geschwoft, gepogt und geschunkelt. Das „Ruderboot“ ist eine Sensation, genau so wie die völlig bescheuerte Neuchoreographie bei „Türen“. Echt mal: Daumen hoch!
Wir dürfen leise sein oder albern, stets springt der Funke über und wir hängen an die Perlenkette der Jena-Abende noch eine weitere hinzu.

Am Ende herrscht Glückseligkeit.

Danke Tom. Danke Thomas. Danke Karo. Danke Alle!

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