Tourtagebuch

Kultur Fabrik, Krefeld

03. Feb. 2013

von Rüdi

Wir haben heute ein Vorprogramm. Ich schreibe das hier ganz am Anfang, weil der Tag mit Robert Kauffmann beginnt. Ich komme gerade aus der Dusche, da steht er im Backstage, das erste Bier in der Hand und ich weiß, dass ich spätestens das nächste mit ihm teilen werde. Knappe 5 Minuten später habe ich bereits die Gelegenheit.
„Du auch?“ fragt er mich.
Ich auch.
„Ich hab mir tolle neue Lieder selber ausgedacht.“
.....
„Willst du die jetzt mal hören?“
Ich lecke mir die Zahnpasta aus den Zahnrillen.
„Später bestimmt gerne. Vielleicht beim Soundcheck. Bin gerade aufgestanden. Prost.“
Robert schenkt mir ein Feuerzeug, das er vor einem Kindergarten gefunden hat, wo eine junge Mutter es dereinst wohl verlor, als sie ihr kleines Kind, das hingefallen war, liebevoll wieder aufhob. Solche Geschichten denkt sich Robert aus, wenn er Feuerzeuge findet. Ich mag ihn. Auch wenn er nach dem fünften Bier verkündet, dass er keinen Soundcheck machen will, weil er lieber mit Ecki das Biersortiment einer umliegenden Kneipe mit gutem Ruf testen will. In der Zwischenzeit spielt er mir seine neuen Lieder vor. Es gibt Momente, vollkommener Trunkseligkeit, in denen ich durch strömenden Regen zum Kofferraum des drei Straßen entfernten Tourbusses gelaufen bin, um die „Trinkerliebe“ herauszukramen, weil sie die einzige Platte war, die ich jetzt hören wollte. Aber man sollte schon trinken dabei und Robert scheint das ja selbst zu finden. Verkatert fehlt mir etwas der Zugang. Ich öffne mir ein zweites Bier. Seine zähl ich nicht mehr, aber ich mach mir auch keine Sorgen, denn wir haben schon so sternhagelvolle Sternstunden von Robert in „Kevelaer“ erlebt, dass man heute in jedem Fall gespannt sein darf. Allerdings hat er auch schon Auftritte auf der Bühnentreppe verschlafen....
Ecki ruft mich an mit einer eiligen Zwischenfrage und ich reiche das Telefon an Robert weiter, der den armen zuerst zulabert und sich dann beschwert, daß Ecki einfach auflegt. Danach kriegen wir ein paar Unterhaltungsvorschläge über Birkenholz, regionale Umweltprobleme, musikalische Spannungsbögen und Liebespraktiken. Und das ein oder andere Lied. Dann kommt Ecki und holt ihn zum Trinken ab. „In einer Stunde bin ich wieder da.“
Ich geh mal im Raum nebenan gucken, wo Burger gerade ein Fotoshooting mit „Das Pack“ macht. Danach ein paar Zeilen Tourbericht.

Dann kommt Robert zurück. Noch ein wenig glücklicher und immer noch bar jeder Nervosität.
„Kann es los gehen?“ frag ich. Kann es.
Robert Kauffmann spielt vier Trinklieder. Das tut er mit einer derartigen Hingabe und Authentizität, dass er schnell die meisten Herzen der 200 Gäste gewinnt. Die Zuschauer kleben an seinen Lippen, allerdings auch, um das Genuschel einigermaßen verstehen zu können. Bei „1,2,3 Likörchen“ hat er aber bereits einen Chor an seiner Seite und nach dem vierten Lied will man ihn eigentlich noch nicht gleich wieder von der Bühne lassen. Aber er hat Angst, dass wir Monsters nicht pünktlich anfangen können und beschränkt sich professionell.
Danach legt er sich im Backstage schlafen. Da wir ihn nicht mehr wach zu Gesicht kriegen werden, sagen wir an dieser Stelle: „Schön, dass du da warst, Robert! Es war das erwartete Vergnügen mit dir. Viel Spaß bei der Arbeit morgen früh! Und Danke für die CDs!“

Und dann dürfen wir. „Dürfen“ ist das richtige Wort. Vom ersten Ton an genießen wir das Zusammensein mit dem tollen Publikum. Ein ganz besonders entspanntes Konzert, das wir heute hier geben dürfen, gespickt mit Situationskomik und Spontanreimen a la Totte, Pensen oder Fred. Wir verlegen Krefeld kurzerhand an die Kre, aber da wir ja selbst aus Kartetov kommen und unser Bürgermeister „eightyone five“ heißt, ist das auch egal. Wir spielen das beste Lied, das je geschrieben wurde, Pensen widmet seinem anwesenden amüsierten großen Bruder „Innerlich verkeimt“, der für sein „jahrelanges Studium“ einen Sonderapplaus erhält, wir spielen neues, uraltes und verändertes, hören eine asozial laute „Tiefkühlpizza“ und Mitleid erregende Sexualbalzgesänge. Wunderschön! Ein unverkrampfter Spaß. Ein Nostalgietrip. „Ronald Regen“ ist wieder im Haus! Und vielen Dank auch für die Balladen! Es ist ein Genuss, für euch zu spielen. Wir sind entzückt.

Im Backstage sitzen wir noch mit lieben Gästen zusammen, wie Sascha von „Sondaschule“ und dem schlafenden Robert Kauffmann, der einmal noch kurz zuckt, als er den Namen „Mani Terzog“ fallen hört. Da weht wohl gerade ein Hauch von Kevelaer durch sein Hirn. Das kann ich verstehen. Das ging mir heut auch ab und zu so.


Danke Krefeld! Danke Kulturfabrik! Ein schöner dritter Tag.

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