Tourtagebuch

Kaminwerk, Memmingen

09. Feb. 2013

von Rüdi

Ahem.....

Ganz schön groß, die Halle.
Ich komme mir vor, wie ein kleiner Junge, der in Erwachsenenschuhe steigt und sieht, was noch fehlt, um bei den Großen mitmachen zu dürfen. Nicht, daß wir solche Säle nicht auch schon gefüllt hätten, aber nach Memmingen ist unser Ruf noch nicht ganz so vorgedrungen – wie auch. Wir waren noch nie hier und auch nicht im Umland und so zeichnen die Vorverkaufszahlen von etwas über 70 ein realistischeres Bild als unser Plakat an diesem Kulturtempel.
Aber anstatt uns ein schlechtes Gewissen zu machen oder mit Sorgenfalten durch den Tag zu laufen, versichert uns der Veranstalter, dass man es uns mit einer großzügigen Bestuhlung schon heimelig machen würde.
Wir werden nach ernährungswissenschaftlich höchstem Standard bekocht und betüddert, Getränke stehen kalt, Süssigkeiten liegen bereit für die, die es ernährungswissenschaftlich dann doch nicht so genau nehmen wollen, Kaffee, Tee – es ist alles da, was das Herz auf Tour begehrt.
Fast alles.
Am Nachmittag ist dann wirklich alles da, als meine Freundin mit einem Bekannten und meinem Neffen Niklas vor dem Bus steht. Niklas möchte gerne Veranstaltungstechnik lernen und sich von Urs diesbezüglich ein paar Ratschläge holen. Michael, Alex und ich wollen eher in Memmingen eine Raucherbar suchen und Bier trinken.
„In ganz Bayern ist Rauchverbot! Das ist hier nicht wie im Norden.“ – bekommen wir gleich zu Beginn vom Zampano der örtlichen Szenebar zu hören, als wir uns nach einem Raucherraum erkundigen.
„Sie werden nichts finden!“
„Und das ist auch gut so!“ – mischt sich eine etwa drei Käse hohe Kellnerin ein.
Nicht rauchen dürfen ist das eine. Dumm angemacht zu werden, ist was anderes. Also tragen wir Durst, Schmacht und Geld zwei Straßen weiter in einen netteren Laden und rauchen dort auf der Straße.
Michael, der noch nie in Memmingen war, erklärt einem Passanten aus dem Stand und mit bestem Gewissen den Weg zum Theater, aber sein Schweizer Dialekt weckt wahrscheinlich Zweifel an seiner Ortskenntnis, sodass der ältere Herr sicherheitshalber ein paar Einheimische fragt, die ihn prompt in die entgegengesetzte Richtung schicken.
Aber in Memmingen stehen wirklich mehrere Häuser, die man für ein Theater halten könnte, da hat Michael schon recht.
Zurück im „Kaminwerk“ treffen wir auf gut gelaunte Siegertypen. Sowohl Hannover (Timmey) als auch Bremen (Urs) und Hamburg (die fussballinteressierten Monsters) haben heute ihren Kick gewonnen, Hamburg sogar gegen Dortmund.
Gut gemacht! Es kann nicht schaden, wenn eine glückliche Band die Bühne besteigt.

Und so ist es tatsächlich.

Die folgenden knapp drei Stunden gehören der guten Laune. Nicht nur was uns betrifft.
So um die 110 Leute haben sich offenbar vorgenommen, für uns ein Stadion zu simulieren, damit wir uns nicht so verloren vorkommen in diesem Festsaal. Das „Kaminwerk“ wird zum Wohnzimmer, das ein Hexenkessel sein will. Die Gemeinde groovt und chillt auf gleicher Frequenz und alle geben sich Mühe, ihren Beitrag zu diesem ausgelassenen Spaß zu leisten, auch wenn manch irrlichterndes Ego den Bogen leicht überspannt. Wir sind ziemlich baff, wie viel Alarm dieses kleine Häufchen Publikum in diesem riesigen Saal veranstaltet. Eine kleine Clique oder Familie hat sogar extra liedbezogene T-Shirts designert und natürlich spielen wir alle diese Lieder, obwohl wir dafür das Programm leicht abändern müssen. Und noch immer – auch nach 9 Tagen – haben wir Spaß an unserer Auswahl. Denn die angereisten Faschingsverächter möchten keinesfalls nur unsere Partyklassiker hören, sondern lauschen auch den neuen und leisen Tönen. Wohlgemerkt: Mitten im Karneval.

Chapeau, Memmingen! Es war uns ein Vergnügen für euch spielen zu dürfen.
Und vielen Dank, liebes Kaminwerk, dass wir es bei euch tun durften und dass wir sogar wiederkommen dürfen.

Wir freuen uns drauf.

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