Tourtagebuch

Colos-Saal, Aschaffenburg

28. Apr. 2014

von Rüdi

Wie wir so auf dem Parkplatz des Hotels „Klingerhof“ rumstehen und mit unseren Lieben telefonieren, kommt plötzlich eine Gestalt hinter der Hecke hervor, schwingt eine Riesenaxt und kommt auf mich zu. Und wie ich mir gerade überlege, ob ich wohl flüchten sollte, wirft er sich die Axt über die Schulter, läuft an mir vorbei und sagt freundlich „Guten Tag“. Ich glaube ganz sicher, an seiner Klinge einen Blutrand auszumachen, zumal es hinter der Hecke ziemlich laut geworden ist. Da wird geblökt und gemeckert, da ist irgendwer stinksauer und wir gehen mal vorsichtig nachgucken. Nein, keine Leiche, alle noch da und ganz im Gegenteil hat die Schafsfamilie sogar schwarzen Nachwuchs erhalten und das Kleine trippelt und jumpt über die Wiese, dass es Totte ein „Ach, wie süß!“ aus den Lippen lockt. Puh! War wohl doch nur Rost an der Klinge.
Wir verbringen die Wartezeit mit duschen, schwimmen, lesen und hungern, bis uns zwei Shuttlebusse abholen und uns nach Aschaffenburg in den „Colos-Saal“ fahren. Dort werden wir wie gewohnt mit Brötchen und Kaffee empfangen, ich nehme eine Happen und gehe mit Labörnski in den umliegenden Shops einkaufen. Ich brauche dringend Klamotten, momentan trage ich die Hose meines Neffen und die Shirts aus unserem Merchstand auf und das kann doch nicht so schwer sein, sich mal altersgerecht zu kleiden. Als ich wiederkomme, habe ich einen Kopfhörer gekauft und Börnski Gin für die Band. Jetzt passt wenigstens alles zusammen.
Im Club wurden derweil Stühle und Tische aufgebaut, es wird gemütlich zugehen, Cafe-Athmosphäre und wir freuen uns auf 300 Gäste.
Dann ist es 20 Uhr, wir monstern uns ein und drücken uns durch den Saal zur Bühne. Die Einlaufmusik erklingt und.....SCHEISSE! WO IST BURGER!

„Hilfe!“
„Hilfeeee!“ hört man ihn auf der Straße aus dem Fenster rufen.
„Ich bin eingeschlossen und muss auf die Bühne! Kann mich hier jemand raus holen? Oder drinnen Bescheid geben?“
Auf der Bühne erklingt bereits „Marzipan“. Eigentlich singt Burger das erste Lied.
„Kann ich gleich mal machen. Aber erst mal muss ich mein Kippchen rauchen.“
„NEIN! JETZT SOFORT! BITTEEE!“

Aber mittlerweile ist schon Timmey da und befreit das Nervenbündel aus dem Backstage. Wir haben ihn echt aus Versehen eingeschlossen, weil er noch auf Toilette war, so was ist uns noch nie passiert und es ist auch ein Rätsel, wie so etwas überhaupt passieren kann. Aber jetzt haben wir auch das noch erlebt, kurz vor unserer Pause.

Endlich vollzählig geben wir ein rundum entzückendes Konzert, wir können es nicht viel besser machen als heute und das Publikum ist schlichtweg sensationell. Ich habe unglaublich viel Spaß vor allem an meinen ruhigen Liedern heute, Tottes Lesung wird so aufmerksam verfolgt, als befänden wir uns in einem Theater, Fred dirigiert das Publikum mit sichtlichem Genuß, Burger dreht beim Blues fast durch vor Geilheit und ....... nein, es ist unbeschreibbar und für einen Außenstehenden nicht erklärbar. Alle, die dabei sind, scheinen aber zu spüren, dass sie heute einen besonders atmosphärischen Abend erleben, nie war Geben und Nehmen schöner und wir erleben eine Sternstunde der Tour, wie beim letzten Mal, als wir hier auf Aufnahmetour waren und ein ähnliches Publikum vorfanden. Ganz großen Respekt und unseren ehrlichen Dank!

Hinterher besuchen uns Freunde und Kollegen im Backstage, Thomas und Kitty von Boppin B, Peter, ein Kollege von Burger, Ganef......

Perfekt!

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