Tourtagebuch

Lagerhaus *ausverkauft*, Bremen

03. Apr. 2014

von Rüüüüdi

Täterä!

Die große Sause vor der Pause – Tour hat begonnen. Ich sitze mit Soelve seit Berlin im Nightliner, feiere mein temporäres Zuhause, indem ich durch die zahlreichen Etagen wandere, verschiedene Sitzplätze ausprobiere und die Hausanlage auf Partytauglichkeit checke, dazu gibt es ein letztes Bier, bevor ich mich kurz vor Rhüden dem Schlaf ergebe. Hinter mir liegt eine alkoholgetränkte PanneBierhorst–Tour und als ob das nicht schon anstrengend genug wäre, pflegen wir in dieser Konstellation unser ganzes Equipment zu Fuß und mit der Bahn zu transportieren, was sich mittlerweile auf meine Bandscheiben auswirkt, die mir seit Tagen signalisieren, dass sie das nicht länger mitmachen wollen. Also lege ich mich endlich in meinen Luxusliner und genieße den Weltensprung....

Denkste.

Als ich in Hamburg erwache, lerne ich schnell, dass es noch viel schlimmer geht. Wenn man nämlich mit einem Riesenbus unterwegs ist, in dem es zwar rund 1000 Betten und Sitzgelegenheiten gibt, aber keinen Stauraum für unsere Siebensachen. Auf dem Bürgersteig stehen die Monsterskollegen zwischen einem Berg aus Gepäck und Gitarren und Kartons und unserer berüchtigten Merchkiste und kratzen sich den Kopf. Zwar gibt es eine kleine Luke in etwa Kopfhöhe, aber da passt höchstens unser Kleinkram durch, nie und nimmer aber die Kiste. Einziger Ausweg: Wir müssen das unhandliche Riesengerät hochkant in die Hintertür zwängen und dann hoffen, dass Soelve nie bremsen muss. „Das geht niemals gut“ orakel ich vor mich hin, aber tatsächlich geht es doch irgendwie, allerdings auch tatsächlich nicht gerade gut. Ein weiteres äußerst interessantes Gepäckstück ist aber auch die Schnapstüte, die Börnski mitgebracht hat. Mitsamt Limetten und braunem Zucker und allem drum und dran. Dann kann die Party ja steigen und das tut sie auch und zwar sofort und unmittelbar, schon kurz hinter Hamburg fühlt sich die Zeit an wie drei Uhr nachts auf ner Siegesfeier, wir trinken Cuba Libre und nebeln uns ein, bis wir kaum mehr Luft kriegen, denn leider ist auch die Klimaanlage ausgefallen – bei gutem Wetter ein echter Partybeschleuniger. Apropos Party: Fred hat heute Geburtstag, aber er ist noch gar nicht dabei, denn er hat zuhause die Handwerker und kann erst gegen Abend zu uns stoßen. Dann feiern wir eben Tourauftakt. Der Weg zu den Betten und zur Toilette ist eh versperrt von der Kiste – dann köcheln wir eben vor uns hin und lassen die Drinks ziehen.
Zumindest erst mal bis Bremen, wo wir den Bus parken und zum Club geshuttelt werden. Der Fahrer vom „Lagerhaus“ fährt extra noch mal los, um Soelve Bier zu bringen, weil der beim Bus bleibt, um zu schlafen. In der Zwischenzeit bestücken wir die eh schon schwere Merchkiste randvoll mit unseren neuen T-Shirts und als wir sie in den Kleinbus aufladen, packe ich beherzt mit zu – ein letztes Mal für die nächsten Tage, denn der nächste Weg führt mich schon in eine Apotheke, wo ich mich mit Schmerzpillen versorge. Es ist mir ein Rätsel, wie wir diesen Kaventsmann jemals wieder durch die Bustür kriegen sollen, und dann auch noch hochkant.
Im Club hat Susanne ein leckeres und appetitliches Buffet aufgebaut mit Brötchen und Obst und Süßigkeiten, Urs kümmert sich mit den örtlichen Technikern um die Bühne, Totte und Pensen geben Interviews und ich versuche meinen Schlafmangel bis zum Soundcheck mit einem kleinen Spaziergang durch die Frischluft wettzumachen. Dann kommt Fred und wir können ihm endlich gratulieren, obwohl er eigentlich gar keinen Wert auf solche Hauptrollen legt. Aber natürlich haben wir alle an ihn gedacht und dann muss er da eben durch.
Dann Essen, dann Saal voll werden gucken, dann einmonstern, Pipi, „Captain Future“, Konzert.
Noch nicht besonders eingespielt und tight, aber voller Enthusiasmus spielen wir uns durch unser Programm, ich habe ein neues Lied, Totte hat die Geschichte von Sabine und Horst fortgesetzt, aber vor allem hat Totte ein Buch geschrieben, dessen Veröffentlichung wir heute feiern. Es heißt „Am Ende der Wels“ und beinhaltet viele Kurzgeschichten, die er teilweise auf der letzten Tour geschrieben und gelesen hat. Heute erzählt er die Geschichte, wie es zu dem Buch kam, aber vor allem lernen wir, dass er spielzeugtechnisch in seiner Kindheit stark vernachlässigt wurde. Man kann das Buch am besten einfach kaufen und selber lesen, wie das jetzt genau zusammen hängt.
Den Vogel schießt dann allerdings unser Geburtstagskind Fred ab mit seinem Lied über den „HSV“. Sich das in Bremen zu trauen......Ich habe noch nie so ein gellendes, anhaltendes Pfeifkonzert gehört, wie in diesen drei Minuten. Hier sind alle gegen einen, Scheiss auf Geburtstag! Manch einer kriegt sich überhaupt nicht mehr ein und zeigt uns auch noch Lieder später den Stinkefinger, weil er diesen verdammten HSV einfach nicht in einem Bremer Haus erwähnt wissen will, auch nicht einen einzigen Gedanken daran. Dafür gibt’s unsererseits ein paar asoziale Punkrockversionen von unserem aktuellen Mixtape „Nur die anderen können es besser“. Hört sich das nach Battle an? Ja, aber höchstens in Sachen Witzigsein. Unser Publikum hat eben alle möglichen Rollen drauf und unter anderem können die zur Not auch ein Stadion voller Fußballfans nachspielen.
Es ist schön, wieder mit den Kollegen wieder auf der Bühne zu sitzen. Es ist einfach ne Menge los auf so einem Monsters-Konzert, da gibt es auch für uns immer viel zu gucken, Lied für Lied nehmen wir Fährte auf, die Räder beginnen zu greifen und am Ende des Abends sitzen wir glücklich auf dem Parkplatz zwischen unserem Gerümpel und irgendwie wird die Merchkiste schon reingehen. Es klappt schließlich am Schluss doch immer alles. Prost, wir wünschen uns eine schöne Tour, Danke Bremen, Danke Lagerhaus für die tolle Premiere vor ausverkauftem Haus. Wir sehen uns auf jeden Fall wieder!

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