Tourtagebuch

Pulp, Duisburg

27. Apr. 2014

von Rüdi

Zum zweiten Mal trauen wir uns in das etwas gruselige „Pulp“-Schloß in Duisburg, wo finstere Riesen und Angst einflößende Kreaturen wohnen und an überdimensionalen Tischen speisen. Etwas verloren irre ich durch die Hallen und suche meine Freunde, aus den Wänden schallt die „Rocky Horror Picture Show“ und eigentlich weiß jeder Filmgucker, was jetzt gleich passiert: Rüdi wird gefressen. Von irgendeinem Spinnenvieh oder so was. Denn es erwischt die Raucher, Unkeuschen und Alkohol-Trinker immer zuerst in solchen Filmen, das weiß man ja. Nun, so gesehen kann allerdings die ganze Band schon längst aufgegessen worden sein, hier ist jedenfalls nirgends einer. Ich geh lieber schnell wieder in den Bus und warte ab.
Eigentlich soll heute ein Freudentag werden. Wir erwarten ein gut gefülltes Haus und illustren Besuch. Pensen bekommt Besuch von seinem Bruder, Fred und ich bekommen Besuch von unserem Steuerberater und wir alle bekommen Besuch von Götz Widmann und Fabia und weiteren Freunden. Denn heute ist ein Freudentag auf Schreckenstein. Heute wird hier Pogo getanzt. Der „Timewarp“ hat ausgedient. Die Zwerge übernehmen das Haus der Riesen. So ist es geplant.
Da läuft mir Cheforganisator Jörg über den Weg und deutet an, dass die Band im Backstage gefangen gehalten wird. Sie wurden dort von den „Sirenen“ in den Bann gezogen, eigentümliche Wesen, die vornehmlich auf Bildschirmoberflächen ihr verführerisches Unwesen treiben. Ich finde die Band hinter der Bühne eingemauert, sie sind bereits weit weg und blicken mit einiger Entrücktheit in das flackernde Licht. Höchste Zeit für die Zauberformel!

„Essen!“

Zum Frühstück gibt es Spanferkel, Schlachtplatte oder Grünzeug aus dem Hexenwald. Danach wird das Monstersmobil ausgeladen und die nächtliche Party vorbereitet. Und dann ist auch schon der Besuch da. Götz, Fabia, Sebastian, Bettina, Martin, Reiner, Börge, wie sie alle heißen, Reiner bringt gute Nachrichten, Götz Geschenke und die Sirenen können uns mal mit ihren Verführungstricks. Jetzt verführt der Kühlschrank und sein Inhalt und wenn die Sirenen „Prost!“ hören, wissen sie spätestens, dass sie eh keine Chance mehr haben. Es gibt viel zu erzählen: Urlaubsgeschichten, Tourgeschichten, Familiengeschichten und andere Geschichten, doch irgendwann leert sich die Backstage wieder, damit wir uns in Ruhe einmonstern können, denn wir fangen pünktlich an und der Saal ruft schon nach uns.

Wir betreten die wohl höchste Bühne der Welt, die vor Jahrtausenden in den Stein gehauen wurde, damit die hier lebenden Riesen bequeme Sicht haben. Seitdem die Burg aber für die Öffentlichkeit zugängig gemacht wurde, ist sie natürlich viel zu hoch und die erste Reihe holt sich schier eine Nackenstarre, wenn sie zu uns hoch blickt. Wir dagegen blicken von unseren Stühlen hinab wie in ein Tal. Ein Tal in dem es nur so wuselt von rempelnden, winkenden und hüpfenden Gestalten. Und wir haben beste Sicht. Wir sehen genau, wie sich die dritte Reihe aus dem Geschehen heraushalten will. Tja, Leute! Pech gehabt! Mit gefangen, mit gehangen. Brav so. Und wir sehen die Clique, die sich fast das ganze Konzert über in den Armen liegt und jedes Lied so feiert, wie es gedacht war, als es geschrieben wurde. Wir sehen jedes Gesicht bis in die letzte Reihe und alles macht uns Freude, was wir heute sehen. Es ist ein gutes Konzert, aber ein zauberhafter Abend. Das finale „Algerien“ findet bei absoluter Stille statt, wir haben es tatsächlich wieder einmal geschafft. Egal, wie groß der Raum, wie hoch die Anzahl der Zuschauer und wie hoch der Grad der Trunkenheit ist. Unser Publikum wird immer was draus machen.

Wir sind euch sehr dankbar und hoffen, dass ihr uns auch nach der Pause wieder so empfangt, wie ihr uns verabschiedet habt.

Und natürlich grüßen wir auf diesem Weg auch noch mal Jörg und seine Mannen. Vielen herzlichen Dank und immer gerne wieder!

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