Tourtagebuch

Stadthalle *ausverkauft*, Eschwege

11. Apr. 2014

von Boss

Wir haben uns vorgenommen, bis Eschwege durchzuhalten. Wir wollen die relativ kurze Fahrt von Hildesheim nach Eschwege mit Soelve genießen und wenn wir angekommen sind, wollen wir ein quasi Abschiedsbier mit ihm trinken, denn unser uns sehr ans Herz gewachsener Freund, Fahrer, Problembewältiger und Ruhepol wird uns morgen verlassen und wir werden ihn erst nach der Pause wieder sehen. Zum ersten Mal spüren wir den Schnitt, der uns bevorsteht.
Ich übernehme den DJ im Bus und versuche, niemanden mit meinen Lieblingsbands zu nerven, aber nach und nach kacken die Kollegen ab und legen sich in ihre Kojen, übermannt von Müdigkeit, Vernunft und dem Wunsch nach Ruhe und eigenen sortierten Gedanken.
Urs, Börnski und ich sind die härtesten, aber mehr als ein letztes Getränk mit Soelve bei nuschelndem Gestammel ist meinerseits dann doch nicht mehr drin. Was die anderen so erzählen, weiß ich nicht, weil ich spätestens nach dem ersten Satz den Faden verliere. Tolle Party! Aber ich habe es versucht.

Guten Morgen, Eschwege. Bis gleich.

Als ich erwache, sehe ich zum ersten Mal die Stadthalle. Komisch, irgendwie dachte ich die ganze Nacht, wir stünden auf dem Flair-Gelände, aber stimmt ja gar nicht. Die heutige Sause wurde wegen den großen Nachfrage vom „E-Werk“ in die „Stadthalle“ verlegt, einem Bau, der deutlich aus dem heraus sticht, was wir sonst so bespielen auf dieser Tour. Aber erstens ist alles, was mit dem Open Flair zusammenhängt sowieso eine Klasse für sich und zweitens findet heute hier ein kleines Minifestival statt. Vier Bands sind heute im Haus und wir freuen uns besonders auf unsere Freunde von „Sondaschule“, die genau wie wir nicht auf dem runden Geburtstag des Open Flair auftreten werden und hier mit uns zusammen die Gelegenheit bekommen, diesem Sensationsfest quasi aus der Ferne zu gratulieren und zu huldigen.
Aber noch herrscht eifriges Vorbereiten in der Halle, angeleitet von unserem Veranstalteridol Markus Stolle, dem ich erst mal um den Hals falle wie einem Freund, weil er das halt auch wirklich ist und weil wir immer ein Paralleluniversum betreten, sobald wir sein Gesicht sehen. Nicht weniger angenehm ist allerdings auch die gesamte Crew, man sieht hier nicht ein überfordertes Gesicht, keinen für uns sichtbaren Stress, alle fühlen sich für alles verantwortlich und haben immer ein freundliches Lächeln für uns übrig. Ein bisschen viel für so einen verkaterten Rüdi, der eigentlich auch einen taffen Eindruck machen will.
Wo bleiben eigentlich die „Sondaschüler“, die wären jetzt genau richtig, um sich auf den Abend einzunorden. Die haben bestimmt wieder einen chaotischen Anreisetrip hinter sich, jedenfalls sind sie verspätet und darum machen wir schon mal Soundcheck, bis sie kommen.
Dann sind sie da!
Knack, geht die erste Bierflasche auf und ich fühle mich zum ersten Mal als Checker, denn ich bin der einzige, der nicht aus Versehen ein alkoholfreies Bier aus der Kühlbox greift. Trotzdem verliere ich jeden Dialog im Dusseliggequatsche, aber das ein oder andere Weckbier bringt mich dann doch langsam in Form.
Ach, wird das schön!

Wir bemerken, wie sich die Straßen füllen, immer mehr Menschen und kleine Gruppen strömen am Bus vorbei Richtung Eingang und irgendwann gehen wir mal selber los, gucken, wie es mittlerweile drinnen aussieht. Best gelaunte Fans begrüßen uns, die Security lächelt uns durch, die Kartenabreißer kennen uns auch irgendwie, irgendwie umweht uns hier ein Hauch mehr Aufmerksamkeit als wir das sonst so gewohnt sind. Ich stolpere durch die Leute,
bis ich zufällig Soelve treffe, der mich auf die Leinwand aufmerksam macht. Da läuft tatsächlich eine Bildershow mit Fotos aus 10 Jahren „Monsters-OpenFlair“ - Liebesgeschichte. Und dann das gleiche für „Sondaschule“. Ich fass es nicht, das ist wirklich rührend. Ach, Leute... ich geh mal Timmey einen Drink holen. Unterwegs treffe ich Totte, aber der wird mir gleich wieder von drei Mikrophonen abgestreift. Verängstigt, aber fasziniert suche ich das Weite.
Dann fährt die Leinwand hoch und „T!AS“ eröffnen den Abend. Neben mir lautes Kreischen, zufällig stehe ich neben der „Mama vom Drummer“. Aber auch der Rest im Saal ist durchaus angetan. Flotter Rock`n`Roll, ein bisschen mit New Wave, die Songs und Ansagen sind englisch und die Band ist jung und hat sichtlich Spaß.
Langsam wird es aber auch Zeit, an den eigenen Auftritt zu denken, zum Beispiel eine Setliste zu erstellen und die – viel schwieriger noch – viermal leserlich aufzuschreiben. Kurzerhand spannen wir dazu Burgers Tochter Emily ein, die das sehr ordentlich und gewissenhaft erledigt, wenngleich auch ein Buchstabe durchgestrichen ist und verbessert werden musste.
Und es wird Zeit, sich mal zu sammeln. 1200 Leute sind gekommen, um sich den Viererpack „T!AS“, „Kapelle Petra“, „Monsters“ und „Sondaschule“ anzuhören und im Saal und überall ist eine Menge los und viele Leute wollen Autogramme und Fotos und – mein lieber Schwan – ganz so gewohnt sind wir das halt nicht. Aber Spaß macht es schon, das geben wir zu.
Für den Auftritt haben wir uns vorgenommen, uns mit einem Partyset von den Eschwegern in die Pause zu verabschieden. Darum verzichten wir heute zum Beispiel auf Tottes Lesung und auf die ein oder andere Ballade, dafür wird mancher Klassiker ausgepackt, wir hoffen, es wird gefallen.
Nach „Kapelle Petra“ und einem kurzen Umbau sind wir dann dran und betreten die Bühne wie eine Arena. Lautstarkes Getöse, Monsters-Chöre, schwingende Fahnen, es ist halt wirklich so, wie soll ich es anders beschreiben. Unglaublich, mit welcher Wucht hier die Sympathiewellen schlagen. Ich weiß nicht, wie gut wir heute spielen, ob die Songs die richtigen sind und ob unsere Ansagen halbwegs Hirn haben. Ich weiß nur, mit welchem Staunen über die Welt wir vor euch sitzen und die Bilder in uns aufsaugen, die wir bald für eine Weile entbehren werden.
Aber wie Fred sagte, werden wir ja immer eure Monsters bleiben, das wissen wir an diesem Ort besonders.

Nach unserem Auftritt ist Party am Merchstand, ich lass mich beim Pogo durchrempeln und dann dürfen wir sogar noch mit den Sondaschülern zusammen singen.

Ooooola, ooooola......

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