Tourtagebuch

Logo *ausverkauft*, Hamburg

30. Apr. 2014

von Fred

Boris Becker und ich sind derselbe Jahrgang. Wir waren beide 17, da gewann er sein erstes Wimbledon-Turnier und wurde von der ganzen Welt bewundert, ich trank als Sänger einer Schülerband Hansa-Pils in Hinterzimmern schmuddeliger Vorstadt-Jugendzentren.
Boris Becker bezeichnete den Centre Court von Wimbledon während seiner aktiven Zeit als „sein Wohnzimmer“ und drückte damit sehr charmant aus, dass er sich dort immer sehr wohl gefühlt hat. Nun ahnt man wohl, worauf ich eigentlich hinauswill: meines Erachtens ist das Logo in Hamburg unser Wohnzimmer. Das Logo ist eng mit der Geschichte der Monsters verbunden, hier fand damals die allererste Monsters-Tour ihren wahrhaft krönenden Abschluss und es folgten viele weitere Konzerte mit Kult-Charakter. Hier bewegen wir uns sicheren Schrittes, denn wir kennen mittlerweile jeden Quadratzentimeter dieses wunderbar spröden Rock´n´roll-Etablissements. Ja, hier fühlen wir uns besonders wohl und zuhause.
Auch, weil mit Logo-Mitarbeitern über die Jahre richtige Freundschaften entstanden sind, wir freuen uns also nicht nur auf ein Konzert, sondern auch darauf, Freunde zu treffen.
Auch wenn in unseren Köpfen Gedanken an die anstehende erste richtige Pause hin- und herfliegen, auch wenn ich nach 6 intensiven Tourtagen mit viel Feierei und wenig Schlaf schon wieder relativ ausgepowert bin (man ist ja keine 17 mehr), dieses Publikum gibt uns Kraft und dann wird es doch wieder ein langer lustiger lebhafter Logo-Abend. Viele Monsters-Damen, -Angehörige und -Tiere sind anwesend und bereichern den Backstage-Raum, ebenso die Kollegen von „Liedfett“ und K.T. Clue, es ist einfach traumhaft. Weil soviel los ist, vergesse ich glatt, den leckeren Hamburger aus dem benachbarten „Down under“ zu verspeisen. Passt aber andererseits auch ganz gut, denn wenn man schon programmatisch für den nächsten Tag ein „Katerkonzert“ verspricht, dann muss man ja schließlich auch alles dafür tun, um einen solchen Kater zu bekommen. Und dafür ist ja Essen eher hinderlich.
Der Alkoholpegel im Zuschauerraum klingt ebenfalls ansprechend, wie wir es schon von früheren Konzerten des 30.4. kennen. Das soll alles so sein und fühlt sich richtig und gut an.
Es regnet Lametta, die Arme fliegen nur so durch die Luft und das Publikum stellt sich als unerhört textsicher heraus. Mir ist die reichlich krude Setliste mit all ihren Ungereimtheiten inzwischen richtig ans Herz gewachsen. Die sieht am Anfang immer so lang aus, und dann vergeht das Konzert doch wieder wie im Fluge. Schon bin ich mitten in der Schlussansage für „Eschnapur“, wir tanzen zu „A-ha“ und dann ist das Konzert schon wieder vorbei, aber glücklicherweise nicht der Abend.
Band und Publikum arbeiten weiter intensiv für den morgigen Kater, und K.T. Clue gibt an Timmeys Verkaufsstand noch ein Spontan-Konzert. Herrlich. Solche schönen Partys hat Boris damals in seinem „Wohnzimmer“ ganz bestimmt nicht gefeiert...
Mal gucken, was es für den morgigen Tag gebracht hat. Bis dahin.

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