Tourtagebuch

Vier Linden, Hildesheim

10. Apr. 2014

von Ernando Ernesto Francesco

Heute spielen wir die letzte Clubshow auf dieser ersten Rutsche.

Wir sind in Hildesheim im „Vier Linden“, was für uns eigentlich immer bedeutet, dass wir den größten Teil des Tages im Bus sitzen und vor uns hin qualmen. Denn so stilvoll und schmuck der Saal ist, so ungemütlich ist es leider im Backstagebereich. Entweder frieren wir uns den Arsch ab oder wir werden mit einer Heißluftturbine angesengt und auch sonst finden wir nur wenig, was hier besser wäre, als in unserem schönen Bus.
Leider teilt uns Soelve eine schlechte Nachricht mit, die er schon seit Tagen mit sich rum trägt. Er wird uns aus innerbetrieblichen, zwingenden Gründen die zweite Tourrutsche hindurch nicht fahren können. Niedergeschlagene Gesichter, wir haben uns das so schön vorgestellt. Aber noch haben wir ja zwei Tage vor uns und so beschließen wir, heute ganz schnell nach dem Konzert Richtung Eschwege zu fahren und dort dann mit Soelve noch ein Feierbier zu trinken.
Die ersten Gäste – fleißige Tourberichtleser ahnen bestimmt, von wem die Rede ist – sitzen bereits den ganzen Nachmittag vor der Tür, nach und nach wird die Gruppe größer und wir beobachten von unserem Bus aus das Treiben. Da kommt ein Grüppchen junger hübscher Mädels in selbst gemachten Monsters-Shirts, da ein Punkerclique, da eine Familie und da – ach nee, der will gar nicht zu uns. So ein bisschen stolz sind wir ja schon, was für ein buntes Völkchen unsere Musik zusammenbringt.
Dann geht die Tür auf und der Saal füllt sich. Leider nicht ganz so voll, wie beim letzten Mal, aber damals hing zum Beispiel auch ein Plakat an der Tür und das nahe Wolfsburg stand nicht auf unserer Speisekarte.
Egal, es ist jedenfalls alles perfekt für einen wundervollen Abend, lasst uns anfangen.

Beim Konzert müssen wir ein bisschen gegen eine sehr (und ich meine „sehr“) laut mitsingende Mädchenhorde ankämpfen, die sich direkt vor die PA-Boxen aufgebaut hat und jetzt versucht, gegen sie anzuschreien. Nicht schlecht, wenn man mal einen Textaussetzer hat, aber eher schlecht, wenn man zum Beispiel Lieder singen will, bei denen es leise und gefühlvoll zugehen soll. Aber sie sind auf unserer Seite und lieb und brauchen nur einen kleinen Hinweis. Derweil hat sich Soelve im Bus schlafen gelegt und dafür den Motor angestellt, was absolut sinnvoll und richtig ist. Und trotzdem sorgt diese kleine Tat für einigen Aufruhr, jedenfalls bei denen, die noch was mitkriegen. Denn die Belüftungsanlage des Saals saugt außen gerade die Abgase von unserem Nightliner aus dem Auspuff heraus und pumpt sie direkt in die Halle, wo es mehr und mehr anfängt, nach Benzin zu stinken. Unsere Freundin Else gehört zu denen, denen das Sorge macht, aber sie erntet meist nur Schulterzucken oder erfährt, dass dieser Geruch von einem Zippofeuerzeug herrühren muss. Das muss allerdings ein sehr großes Zippo sein, denn mittlerweile hängt der Benzingestank schon bis unters Hallendach. Statt sich ihrem Schicksal zu ergeben, dass unweigerlich erst in einer Ohnmacht und dann in einer Explosion enden würde, geht sie mit Timmey der Sache auf den Grund und rettet so ein paar Hundert Menschenleben. Vielleicht nicht wirklich, aber vielleicht auch doch. Danke jedenfalls fürs Kümmern, liebe Else!
Für das Konzert findet Fred die richtigen Worte, als er sie an das Publikum richtet. Er hatte einen schweren Start, wir alle werden langsam tourmüde, aber das Publikum hat uns ein weiteres Mal über die Hürde geholfen und je länger das Konzert dauerte, desto mehr Spaß hatten wir. Wir machen einfach wahnsinnig gerne Musik und am liebsten für euch, ihr unsere lieben Fans, die wir mittlerweile überall in Deutschland besuchen dürfen und mit denen wir immer eine gute Zeit haben. Das ist das einzige, was wichtig ist. Also bitte immer wiederkommen, mitsingen, mitfeiern, T-Shirts basteln, Fahnen schwenken, vor der Halle rumgammeln, Zeugs auf die Bühne werfen – einfach bei uns sein. Bitte bleibt uns nach der Pause treu!

Im Backstage dann schnelle Getränke und Gespräche, Burgers Eltern sind da, „Nullbock“, Else, Svenja und andere, aber leider haben wir kaum Zeit, weil wir es heute ganz furchtbar eilig haben.

Soelve fahr los, wir wollen mit dir feiern!

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