Tourtagebuch

Kulturwerkstatt, Paderborn

24. Apr. 2014

von Rüdi

Und weiter geht’s! Auf zur letzten Rutsche, die Euer Tourberichterstatter Rüdi in den folgenden Tagen in Form eines Live Tickers dokumentieren wird, um nicht wieder ein paar Tage in Rückstand zu geraten. Ein hehres Vorhaben, am besten fange ich direkt an. Alle noch mal Gas geben bis zum großen Finale in Hamburg und dann in den wohlverdienten Zwischenruhestand.

02:00 Uhr: Christian hat mich vor einer halben Stunde in Berlin am S-Bahnhof Westend abgeholt. Seitdem sitze ich im Nightliner und wir lernen uns kennen, er hat uns noch nie gefahren, wird uns die ganze Tourrutsche hindurch chauffieren und hat natürlich keine Ahnung, was ihn erwartet. Er behauptet von sich, keine besonderen Marotten zu haben, woraufhin ich ihm vorweg schon mal eine längere Liste der Marotten der Band vortrage und da ist Schnarchen noch nicht mal dabei. Aber auch, dass er es als Sport treibender Frischluftliebhaber mit einer achtköpfigen Horde Extremqualmer zu tun bekommen wird, kann ihn vorerst angeblich nicht schocken. Na wir werden sehen. Wir hören „Biffy Clyro“ und die Fahrt geht erst mal nach Hamburg. Dort treffen wir um 9.00 Uhr die Hamburger Fraktion, vorher gibt’s noch ne Schlafpause.

04.20 Uhr: Wir sind in unserer Schlafstätte angekommen, in zehn Minuten wird der Strom abgestellt und dann sitz ich hier im Dunkeln. Oder gehe schlafen. Ich war DJ und es hat sich herausgestellt, dass Christian bevorzugt zum Fahren unterhaltsame Lyrik braucht und ich stellte ihm aus meiner Musiksammlung erst mal die Monsterskollegen und sehr viel mich selber vor. Den Rest der Fahrt hörten wir Gerhard Polt und bogen dann, wie ich finde, sehr stilvoll zu „Bahnhofskino“ von BAP in die Raste ein. Jetzt geht das Licht aus.

5.55 Uhr: Ich hab bis jetzt im stockdunklen Bus gesessen und mir „Nachts im Museum“ angeguckt. In einer Minute ist der Akku leer. Meiner auch. Nacht.

11.50 Uhr: Schlaftrunkenes Erwachen. Kein Mensch in der Lounge. Angeblich waren wir schon in Hamburg, wo zwei Kollegen zugestiegen sind....
Zwei? Es sollten fünf sein. Jedenfalls hab ich grade keine Checkung, aber wir sind zehn Minuten vor Rhüden. Gleich kommt Timmey dazu, der weiß immer alles.

13:45 Uhr: Die Sache ist also folgende: Börnski hängt in der Bank fest, Fred hängt zuhause fest und Totte kommt aus Köln angereist. Timmey hat mir einen Zehner geliehen, jetzt hab ich wieder Zigaretten und konnte frühstücken. Burger hat Unmengen von Wienerle gekauft, bricht sie aber nicht an.

14.00 Uhr: Pensen ist erwacht und sofort in der Lage, mit Timmey und Burger komplizierteste Fachangelegenheiten zu besprechen. Musik: „Kings X“

15.20 Uhr: Ankunft in Paderborn in der „Kulturwerkstatt“. Henrik und sein Team heißen uns willkommen, wir kriegen die Backstage gezeigt, aber wir sind ja nicht zum ersten Mal hier, neu ist nur das strikte Rauchverbot. Christian versorgt den Bus mit Strom und wir warten auf die Brötchen. Mittlerweile ist auch Claudio erwacht, dafür könnt ich mich schon wieder hinlegen.

16.00 Uhr: Mach ich jetzt auch. Wir haben geladen, ein Brötchen verdrückt und das Rauchverbot gelockert. Jetzt baut Timmey unseren Supermarkt auf, Claudio kümmert sich um die Technik und wir haben frei bis zum Soundcheck. Gute Nacht!

16.02 Uhr: Totte schlägt auf und bringt meinen Plan kurzfristig ins Wanken.

18.50 Uhr: Okay, langfristig. Mittlerweile ist auch Fred eingetrudelt, wir haben Soundcheck gemacht, Essen bestellt und verzehrt und der Veranstalter Henrik erzählte gerade was von knapp 300 Karten im Vorverkauf. Ein Teil davon steht auch schon vor dem Eingang.

20:00 Uhr: Wir hören Börnski den Gang entlangrappen. Pünktlich wie immer platzt er wie eine Wasserbombe in die etwas schläfrige Runde. Party! Konzehert!


21.30 Uhr: Pause, wir haben es mit einem phantastischen Publikum zu tun. Wir wurden über zehn Minuten mit Monsters- Chören in den Saal gebeten und seit dem ersten Lied gefeiert, wir haben aber den Eindruck, dass wir das Programm gegen Ende zu sehr zerfahren, so wie es ist. Bei diesem Publikum erwarten wir allerdings ein sensationelles zweites Set, ab jetzt wird alles super, wir fühlen uns sehr gemocht, aber an den ersten Abschnitt müssen wir morgen noch mal ran. „Lieder ohne Text“ hat nicht gefumpt, Modenschau war zu lang, Fred ist zu spät mit einem Lied dran, schwieriger Bühnensound, das sind die Themen der Pause.

23.30 Uhr: War das schön! Zuerst der verständnisvolle Gruß „ Have a break – aber bitte nicht zu lange!“ der zusammen mit erratbaren Schokoladenriegeln auf der Bühne lag, dann die spürbare Zuneigung des Saals, die lauteste „Tiefkühlpizza“ seit Gedenken, viel Aufmerksamkeit, Konfettikanonen und eine erstaunliche Mitsingfreude, das sind die ersten kurzen Stichworte. Aber bevor ich es nachher nicht besser hinkriege: Es war zauberhaft und wir haben es schon vom letzten Mal her in bester Erinnerung. Es war toll hier! Jetzt müssen wir aber zum Merchstand.

01:50 Uhr: Wir sitzen im Bus und hören Musik und sind seit einer knappen Stunde unterwegs nach Aachen. Die Stimmung ist bestens, wir sind noch richtig nett mit Brötchen und Bier versorgt worden und der Abschied von Henrik war ja nur bis übermorgen, wenn wir uns in Münster wieder treffen. Wir sind alle glücklich über den heutigen Abend, es war im Nachblick ein gerade in der zweiten Hälfte sehr gutes Konzert, was aber vor allem dem wirklich dehnbaren Publikum zu verdanken war, das offen war für Neues, Leises, Merkwürdiges und Unerwartetes und dann aber auf Zuruf mit all dem bekannten Blödsinn am Start war, der zu einem Monsterskonzert gehört. Oder eben ohne Zuruf – schließlich wurde die sich nach oben öffnende Saloontür hier in der Gegend erfunden. Und heute sehen wir zum ersten Mal mitgebrachte Kerzen statt Feuerzeuge, man geht equiped zu einem Monstersabend.
Alles in allem kann ich es aber doch nicht besser sagen, als ich es vorhin bereits tat. Es war zauberhaft. Ein schöner Start ins Finale. Danke, Paderborn!

4:00 Uhr: Ich geh jetzt schlafen. Sitze mittlerweile hier alleine. Gute Nacht.

4:02 Uhr: Fred erscheint und bringt mein Vorhaben kurzfristig ins Wanken.....

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