Tourtagebuch

Hallenbad, Wolfsburg

04. Apr. 2014

von Rüdi

Wir brauchen einen anderen Bus. Eigentlich sollte er erst in Leipzig ausgetauscht werden, aber wir können froh sein, dass die nächtliche Einladeaktion gestern ohne Quetschungen, Brüche und Stauchungen abgelaufen ist und wir wollen unser Schicksal nicht allzu sehr auf die Probe stellen. Schließlich sollte man den Geisteszustand mit einberechnen, indem das gemeine Monsterlein sich nach einem gelungenen Auftritt nachts um drei befindet und da sollten die Schwierigkeitslevel nicht allzu hoch sein.
Außerdem hab ich mir auch noch blöd das Knie verdreht, als ich mich um die Merchkiste herumwinden wollte, die vor der Treppe zu den Betten stand und jetzt bin ich endgültig ladeunfähig, was die Aufgabe für die anderen auch nicht unbedingt leichter macht, außer vielleicht, dass niemand auf mich aufpassen muss.
Also, ein anderer Bus muss her, wir machen wirklich nicht gerne Umstände, aber die Sache ist einfach saugefährlich, so wie sie gerade ist.

Ansonsten: Fred musste gestern noch mal nach Hause zu seinen Handwerkern und kommt erst am späten Nachmittag, Burger schießt mit Timmey und Pensen ein paar Fotos im trocken gelegten Schwimmbad, Totte kritzelt in seinem Buch rum, Börnski ist schwimmen gegangen und ich versuche zum xten Mal „Ocean´s 13“ zu gucken, ohne einzuschlafen, scheitere aber erneut.

Beim Ausladen, das wir zurzeit immer ein wenig ängstlich vor uns her schieben, bekommen wir Hilfe von den zupackenden Jungs vom „Hallenbad“, alles geht glimpflich ab, auch deshalb, weil ich mich komplett raushalte.
Da es draußen regnet und im „Hallenbad“ Rauchverbot herrscht, halten wir uns hauptsächlich im Bus auf, den wir gehörig zuqualmen und mit „K.I.Z.“ beschallen, einzig zum fabulösen Abendessen sitzen wir im Backstage und atmen so etwas wie Luft.
Dann kommt erster lieber Besuch vorbei. Babsi, die wir seit unseren Anfangszeiten kennen, bringt Wein als Geschenk, die Mädels von „vonhierunten.de“ haben uns eine Platte mit Sensationsgebäck gezaubert, Lare aus „Forellenhof“-Zeiten und auch die „Gedankenfabrik Borthfeld“ sind im Haus. Wir kennen eben tolle Leute!

Lasst uns anfangen!

Knapp 400 Leute sind angereist, um vor unserer Pause noch mal mit uns zu feiern und sie kommen von überall her, nur nicht aus Wolfsburg. Dabei steht hier eine wirklich schicke Veranstaltungshalle, immerhin weiß man das außerhalb der Stadt, viel Kleinkunst und Kabarett findet hier statt, Kino, Lesungen, Kinderprogramme. Und heute wir. Zum zweiten Mal und dieses mal vor richtig vielen Leuten, die uns vorschusslorbeerenmäßig und freudig empfangen, derweil wir unseren Anfang ziemlich verhacken, weil entweder Mikros ausfallen oder Gitarren oder Hirne. Es braucht ein paar Lieder, bis wir Fahrt aufnehmen, zumal wir das Programm ein bisschen umgestellt haben, was die erste Hälfte ziemlich ruhig wirken ließe, würden wir die Ruhe nicht mit hektischer Verpeiltheit selbst vergrützen. Allerdings ist es schon sehr lustig, was da bei uns so abgeht, vor allem im zweiten Teil knallen ein paar Sicherungen durch und manch eine Version erscheint in einem recht freizügigen Gewand. Burger feiert Freds Geburtstag mit Rotwein nach, Kenner der Szene wissen an dieser Stelle Bescheid. Fred erfährt vom 2:1 Sieg des HSV und gießt sich ne Pulle Bier über den Kopf, einschließlich anschließender Bühnenrandale, Pensen und Börnski – ach, Ihr kennt sie doch.
Auch sie irgendwie auf einem bizarren Stern. Aber alle bei bester Laune und mit Vergnügen bei der Sache und beim Publikum. Ein lustiger und sympathischer Abend. Langsam kommen wir rein in die Tour, Danke für diesen zweiten Abend, wir behalten euch lieb.

Vor der Tür steht mittlerweile der Austauschbus neben unserem Nightliner. Wir hören vorbeiziehende Fans diesen Anblick diskutieren und warten jetzt gespannt auf die Gerüchte, dass wir als zerstrittener Haufen mittlerweile mit zwei Bussen unterwegs sind.

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