Karben Open Air
23. Aug. 2015

Tourtagebuch

Karben Open Air

23. Aug. 2015

von Rüdi

Ich habe gestern mit Sven in Hildesheim auf einer Hochzeit gespielt und weil die Welt immer noch auf das Ende meiner Pubertät wartet, war ich natürlich wieder mal der letzte, der ins Bett ist und weil ich andererseits mittlerweile an seniler Bettflucht leide, war ich heute Morgen auch mit der erste, der wieder wach war. Entsprechend durchgemangelt fühle ich mich, als ich auf der „Hildesheimer Börde“ in den Tourbus eingeladen werde. Als professionelle Unterstützer sind heute Claudio und Teddypard mit dabei, ein paar Kilometer steigen Burger und sein Sohn Titus zu und wir sind komplett. Hats ja lange nicht gegeben – wir alle zusammen im Sprinter. Totte, Pensen und Börnski trinken die ersten Jollen, aber da kann ich gerade beim besten Willen nicht mit einsteigen. Burger und Titus üben sich in Memory und Claudio und Timmey machen auch irgendwas, aber da misch ich mich nicht ein, denn eigentlich will ich, wenn’s geht, noch eine Mütze schlafen. Geht aber nicht. Durchgezählt? Richtig, Fred fährt.
Um 18 Uhr, zwei Stunden vor Spielzeit, kommen wir auf dem Gelände des „Karben Open Air“ an, mittlerweile ist der Hunger viel schlimmer als die Müdigkeit und während wir freundlich von Arne begrüßt werden, der uns einchecken will und uns mit den Gepflogenheiten vertraut macht, fragen wir eigentlich unentwegt immer nur nach Essen. Ja doch! Arne kommt am besten gleich mit und zeigt uns, wo es was gibt.
Eine schicke Garderobe haben wir auch, mit Kicker und Kühlschrank und belegten Brötchen, aber ich kann hier gerade nichts genießen, denn ich habe irgendwo mein Jackett liegen lassen mit mal wieder allem drin. Natürlich finde ich es auf dem Gelände wieder, mit noch allem drin, denn dies ist ein sehr nettes Festival:
Zwei Spielwiesen liegen hier nebeneinander, eine etwas kleinere und eine größere, man ist in weniger als einer Minute auf der anderen Seite und so spielen die Bands heute in fließendem Übergang. Einer spielt immer, einer macht immer Soundcheck.
Und so kommt es zu einem der lustigsten Soundchecks, die ich je erlebt habe. Nebenan spielen gerade unsere Freunde von „Elf morgen“ und Fred grüßt während einer kleinen Pause mal kurz rüber, was dort von Andy beantwortet wird und es entwickelt sich ein richtig nettes kleines Gespräch von Bühne zu Bühne, das Publikum schickt uns auch schon mal erste Grüße – also bis gleich und viel Spaß drüben.
Bis jetzt konnte ich kaum mehr auf den Beinen stehen vor Müdigkeit, aber so was weckt dann doch wieder die Lebensgeister, Whiskey Cola tut übriges und als pünktlich zur Tatortzeit das Publikum um den Zaun strömt, um mit uns die letzte Sause des „Karben Open Air“ zu begehen, ist allerspätestens alles wieder gut.
Fast zwei Stunden dürfen wir heute spielen und dank des immer noch hüpfmunteren Publikums passiert in diesen zwei Stunden so ziemlich alles, was zu einem guten Monsterskonzert gehört. Im teils strömenden Regen, der pünktlich zu unserem Auftritt ausbricht, wird gepogt, gesungen, getanzt und gealbert, ein wirklich total bekloppter „Dumbo Dance“ wird erfunden, antifaschistische Choräle bekommen Tottes Mikro zur besseren Verständigung, Andy serviert Longdrinks, Gitarren gehen kaputt und meine tolle Saxophon-Kazoo sieht mittlerweile aus, als würde ich an etwas lutschen, wo andere sagen würden: „Fass das nicht an!“. Es ist ein herrliches Gewinke und Gemache überall, nebenher schaffe ich Ordnung in meinen Kabelkoffer – was man halt so macht bei einem Konzert. Aber halt, Musik spielen wir auch jede Menge und ich habe den Eindruck, das es heute bei unserem dritten Konzert nach der Pause ziemlich gut klappt bei uns. Wäre auch zu schade, denn auch wenn wir heute zum ersten Mal hier spielen, fühlen wir uns bestens aufgehoben und es ist schlicht immer wieder eine Sensation, was so eine Festivalgemeinde an Energie auf die Beine bringt. Ob strömender Regen oder drückende Hitze – denen doch egal und zwar bis zum allerletzten Ton.

Danach ist das Feld in wenigen Minuten leer gefegt, was ein zusätzliches Kompliment ist. Die haben also alle ein Zuhause und waren nicht zufällig hier. Kein Wunder, wir reichen das gerne an die Veranstalter weiter.

Doch auch die Band ist plötzlich in großer Eile, denn Börnski muss tatsächlich morgen früh in Hamburg wieder an seinen Bankschalter und so hab ich plötzlich vier Hotelzimmer für mich alleine zur Verfügung, wo mich eine nette Festivalmitarbeiterin hinshuttelt. Natürlich sollte man die jetzt alle noch probeliegen, aber das erste ist gleich ein Raucherzimmer. Oh mein Gott, jeder, der jetzt noch eine Bühne abbauen oder einen Bus nach Hause fahren muss, ist echt ne beinharte Sau......ich bin raus.

Gute Nacht! Und vielen Dank für alles. Gerne wieder, wenn wir dürfen.

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