Substage, Karlsruhe
18. Nov. 2015

Tourtagebuch

Substage, Karlsruhe

18. Nov. 2015

von Rüdi

„In einer halben Stunde ist Photo-Shooting!“
Mit diesen Worten werde ich wach. Ne, wach ist das falsche Wort. Irgendwas deutlich darunter, jedenfalls besitze ich wieder so viel Restbewusstsein, dass ich mir vorstellen kann, wie ich aussehe und da ist auch in der näheren Zukunft nichts dran zu machen, sorry. Ich falte mich aus dem Bett und schlafwandele aus dem Bus direkt in die ausgebreiteten Arme von Jörg hinein. Na das ist ja mal ein Empfang. Er scheint sich Sorgen zu machen, weniger um die Photos, als eher um meinen Gesamtzustand, aber ich versichere ihm, dass außer hübsch sein alles bei mir in Ordnung ist. Ich brauch erst mal eine Toilette, am besten ohne Spiegel und ein Wasser.
Im Backstage sitzen weitere traurige Gestalten, alle leicht angeschlagen vom nächtlichen Geburtstagfeiern und alle freuen sich auf Mario und seine Kamera. Den kennen wir schon von früheren Shootings und wir haben ihn extra für heute her bestellt, aber: Heute ist nun mal kein guter Tag für Fotos.
Mario scheint allerdings motiviert zu sein, das beste aus uns rauszuholen. Also stellen wir uns in Bruchecken, die uns ähnlich sehen und strolchen ein bisschen durchs herumliegende Laub. Einmal versuchen wir, wie Rockstars auszusehen, aber da wird es dann wirklich total lächerlich. Wir schleppen uns durch Treppenhäuser, die sind interessant wegen des Lichts und stellen uns vor Schrägen, die sind interessant wegen der Linien, aber alles ändert nichts an unseren verquollenen Gesichtern und den hängenden Schultern. Mario allerdings findet uns super, aber das ist vielleicht auch nur Motivationsjargon.
Der Bus ist heute unser Dayroom, wer schlafen kann, schläft noch ein bisschen, ansonsten geht es im Backstage derart nett und verständnisvoll zu, dass man sich da auch sehr angenehm die Zeit vertreiben kann.
Jörg amüsiert sich über unsere Cateringliste und stößt dabei vor allem bei Soelve auf offene Ohren, der als alter Tourhaudegen unserer in solchen Fragen überforderten Band angeboten hat, sich mal um eine Überarbeitung zu kümmern. Angestrengt kramen wir Monsters in unserer Phantasie. Äh Soelve, ich hätte morgens gerne Brezeln. Mit Butter. Geht so was?
Soelve notiert.
Offenbar geht so was.

Konzert.
Wir haben uns in den letzten Jahren von 800 auf 400 zahlende Gäste heruntergewirtschaftet, aber in meiner Empfindung geben wir heute unser bestes Konzert in der „Substage“, von allen, die wir bisher hier geben durften. Die Veranstaltung hat irgendwie eine angemessene Größe heute, was unserem Anliegen, Aufnahmen zu machen, sehr entgegen kommt. Wir sind authentisch, die Müdigkeit ist mithilfe einiger Konterbiere und einem sehr euphorischen Empfang längst verflogen und der Saal ist gefüllt mit reizenden Seelen. Ein bisschen zu kämpfen haben wir mit der Tatsache, dass die Theke direkt vor dem Saalmikrophon steht, was natürlich bei leiseren Songs problematisch ist, aber es soll ja getrunken und gefeiert werden. Uns so wird es ein ausgelassener Abend mit Konfetti und allem drum und dran und wir spielen ein glückliches Konzert.
Wir fühlen uns aber auch einfach immer sehr wohl in der Substage, wir spüren ehrliche Zuneigung, angefangen von der Küche, wo wir sensationell bekocht werden über den Veranstalter bis hin zur Theke, die teilweise extra unseretwegen heute Dienst schiebt. Und dann halt noch all die tollen Leute, die heute mithelfen, dass wir eine schöne CD hinkriegen.

Am Ende Party an der Theke.

Danke, Ihr Lieben!

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