Backstage, München
17. Nov. 2015

Tourtagebuch

Backstage, München

17. Nov. 2015

von Rüdili

München

Ich sitze im Backstage und stochere an den Tourberichten herum. Ich liege vier Tage zurück und habe bisher geduldig darauf gewartet, dass ich plötzlich einen kreativen Anfall bekomme und mir die Sätze nur so aus dem Ärmel kullern, aber nein. Nun muss es eben so gehen. Da kommt Totte rein, sieht mich mit meinem Dilemma da sitzen und will mir zwei Berichte abnehmen. Ich nehme dankbar an und schon sitzt er neben mir und seine Finger springen über die Tastatur, wie die eines Lang Lang über sein Klavier. Dazu lacht er sich ständig über irgendwelche Formulierungen kaputt, die ihm gerade durch den Kopf gehen und als ich noch versuche, an meinem dritten Satz herumzufeilen, klappt er schon sein Notebook wieder zu. „Fertig.“

Knockout oder Ansporn....

Ich entscheide mich für letzteres, stehe auf, pumpe mich mit Ego auf und lass das dann
in meinen Bericht einfließen. Ist ja eigentlich auch gar nicht schwer, angesichts all der Erlebnisse, die wir auf dieser Tour haben dürfen. Die Stimmung ist ausgesprochen gut und das liegt nicht nur an den Zuschauerzahlen, sondern auch an den Zuschauerreaktionen auf unsere neuen Lieder, die allerdings zum größten Teil immer noch auf die perfekte Version warten, die wir dann auf CD bannen wollen. Heute ist eine neue Chance und langsam wird es auch ernst, allerdings sind wir von Panikattacken noch weit entfernt. Wir erwarten heute rund 400 Gäste und da der Saal viel mehr Leute fassen kann, hat Urs veranlasst, dass der Raum durch Vorhänge verkleinert wird. Das klingt besser und macht es auch gemütlicher. Apropos Urs, der hat nachher Geburtstag, aber weil er das nicht wissen darf, sind Pensen und Börnski für ihn heimlich was einkaufen gegangen, Burger arbeitet am Artwork für unsere CD, Totte und Timmey machen allerhand am Computer, Fred ist schon früh raus und hat sich noch mal hingelegt und ich mach gar nix.
Brötchen essen vielleicht und Plakate lesen.
15 Uhr ist Laden. 17 Uhr Soundcheck. 18 Uhr kommen die ersten Gäste. Zum Beispiel Photographenkollegen von Burger und unser Freund, der Weiherer mitsamt Begleitung. Der Weiherer hat Geschenke dabei, seine neue CD, und Totte schenkt ihm dafür sogleich seine neue CD. Richtig was los im Liedermachingkosmos. Und wir nehmen heute auch unsere neue CD auf.
Der Saal füllt sich und sieht trotz seiner Größe mittlerweile heimelig aus, eiliges Letztezigaretterauchen und endlich rufen uns die „Muppets“ auf die Bühne und los die Muppetsshow.
Im ersten Teil sind wir noch nicht ganz auf Sendung, ein bisschen zittrig. Vielleicht ist es die gewisse Ruhe, die von den zahlreichen Sitzplätzen ausgeht und die eigentlich toll ist, wir sie aber von den letzten Konzerten nicht so gewohnt sind. Vielleicht denken wir aber auch einfach nur zu viel an die Aufnahmen.
Im zweiten Teil dann plötzlich alles ganz anders. Der Gipfel ist dieses mal ausgerechnet der Balladenteil, eine Sternstunde der Selbstzerstörung, das lustigste seit Totte gestern zu Samson mutiert ist, ich krieg ernsthaft Husten- und Kotzanfälle vor Lachen, so richtig mit Sterne sehen und allem drum und dran und danach der Blues, es ist einfach ein Traum. Als wir gegen Ende unsere altbekannten Feger spielen, bricht es schier aus den Kehlen heraus, Auflaufform, etc, wir verraten ja nix, aber gegen Ende ist richtig Party, da merkt jeder, dass die Arbeit getan ist, all das Zuhören und Regieanweisungen befolgen, also wenn das ein leiser Balladenteil war, wie wird dann wohl der Partyteil werden.....
Genau! Die Münchener „Backstage“ feiert jetzt. Ohne, dass irgendwer außer uns über die Stränge schlägt, niemand nervt, wird dumm oder sonst irgendwie anstrengend, im Gegenteil, es ist eine sehr sympathisches und charmantes Miteinander. Und was die Aufnahmen angeht, haben wir heute, glaub ich, ein einen Sprung gemacht, wir haben allen Grund, darauf einen zu trinken, darauf und auf Urs und wir tun es gehörig, bis wir ihn um 3 Uhr morgens zum Bahnhof shutteln. Mach gut, lieber Urs, genieß den Tag! Wir sehen uns in Hamburg wieder.

Und alle anderen hoffentlich beim nächsten Mal in München. Wir sagen von Herzen Danke!

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