Serengeti-Festival
15. Aug. 2015

Tourtagebuch

Serengeti-Festival

15. Aug. 2015

von Rüdi

„Serengeti – the final roar.“ Das klingt ja schrecklich! Treffen wir da jetzt lauter niedergeschlagene Organisatoren in Trauerflor? Könnte man ja verstehen. So ein Festival auf die Beine zu stellen und dann nach Jahren loslassen zu müssen, ist mit Sicherheit ein scheiß Gefühl und bestimmt noch viel mehr darüber hinaus. Für viele hat so ein Festival ja existentielle Bedeutung, ideell aber auch finanziell, ich mag mir gar nicht ausmalen, was da für eine Stimmung herrscht.
Aber iwo. Alles, was ein Serengeti-Orga-Shirt trägt, ist entspannt und gut gelaunt und voller Freude auf die zwei kommenden Tage. Und auch wir Monsters sind nach kurzer Besprechung der einhelligen Meinung, dass heute ein Tag zum Feiern ist, endlich mal wieder zusammenhocken, den Tag genießen und langsam in der schwülen Hitze betrunken, albern und doof werden.
Erst mal Konzert, dann betrunken, albern und doof werden, dann noch mal Konzert, dann..... Wir brauchen also einen Fahrer und Wodka. Wieder mal ein klassischer Fall für Supertimmey.
Noch ist aber alles ganz brav, der Soundcheck findet heute mal im Geheimen statt, aus dem einfachen Grund, weil wir aufgrund eines strikten Bühnenmanagements ausnahmsweise mal pünktlich fertig sind. Doch pünktlich um 14 Uhr öffnen sich die Pforten und eine ansehnliche Zahl Frühaufsteher steht bereit, um mit uns durch die kommenden 90 Minuten Frühschoppen zu feiern. Wir haben allerbeste Erinnerungen an das Serengeti-Völkchen, hier sind immer lustige Dinge passiert und auch heute wird’s was werden. Monsters, die zweite nach der Pause!.... – Klappe!
Unbestrittener Star des Konzerts ist ein Schlammloch in der Mitte vor der Bühne und zunächst drei Jungs, die sich darin pogend suhlen. Sie sehen aus wie aus einem Schokoladenfondue gefischt und glücklichere blutverschmierte Gesichter habe ich seit „Fight Club“ nicht mehr gesehen. Zunächst kriegt jeder, der sich ins Schlammloch werfen lässt, ein Bier von der Bühne, aber dann doch lieber nur der erste, weil plötzlich das halbe Schlammloch vollsteht. Das Wort des Tages ist „Tiefkühlpizza“ mit sehr vielen Ausrufezeichen und so wundert es auch nicht, daß die seinerzeit auf dem Serengeti erfundene Saloontür heute in eine nach oben öffnende Ofentür gewandelt wird, die eine „Tiefkühlpizza?????“ offeriert. Und statt Applaus gibt’s nach jedem Lied „Tiefkühlpizza“.
Wie gesagt mit sehr vielen Ausrufezeichen. Nach neunzig Minuten Spielzeit müssen wir dann noch nicht einmal „Tschüss“ sagen, sondern dürfen unseren eigentlichen „Act“ ansagen. 23.30 Uhr nach „5 Sterne deluxe“. Und vor den „H_Blockx“.
Da ist sie wieder, die seltsame Welt des Monsters-Kosmos.
Die folgenden Stunden hängen wir lässig mit diversen Berühmtheiten im Backstage rum, fressen uns durch das minütlich nachgelegte Buffet, beschweren uns über dies und das, schicken Leute rum, um uns sinnlose Dinge zu bringen und schwängern Groupies. Was man halt so macht.
Als wir dann betrunken, albern und doof sind, schnall ich die Pointen nicht mehr und entweder ich kenne die Leute nicht, über die gerade gelästert wird oder die Geschichten sind mir schlicht zu lang.
Wir wollen „Madsen“ hören und hinterher „Dillinger Escape Project“, wenn ich mir das richtig gemerkt habe. Bei denen regnet es leider. Also, leider für die Band. Glück für mich. Alkoholfreier Regen. Kann nicht schaden.
Dann will ich in unserer Umkleide mein nasses Shirt tauschen gegen das neue von den „Cowboys on dope“, das ich mir gestern erschleimt habe. Und? Schon ist es weg. Gerade noch da hin gehängt und zack! Weg!
Burger liegt auf dem Fußboden und beobachtet mich desinteressiert,
„Burger, hier hing doch eben noch mein Shirt...hast du eine Ahnung?“
Burger liegt auf dem Boden und beobachtet mich desinteressiert.

Gut. Ist es halt weg. Kann ich mit leben. Gehe ich eben wieder zu den frisch geschwängerten Groupies und lass mich da aufheitern. Aber am Tisch sitzen nur meine Kollegen, deren Witze ich immer noch nicht kapier. Aber ich glaube, Timmey macht die besten.

Dann ist Soundcheck. Während „5 Sterne deluxe“ auf der Hauptbühne rappen, stammeln wir sinnlose Sätze in unser Mikro, bis irgendeiner halt sagt. So was nennt man Linecheck und geht sehr schnell. Aber dieses Mal scheint irgendwas komplizierter zu sein als sonst und ich habe den Eindruck, daß der ein oder andere gerade richtig Stress hat.
Ich nicht.
Soundcheck ist wie Witze. Ich schnall eh nix.

Und natürlich hab ich aber schon irgendwie recht und auf die Sekunde können wir mit unserem Konzert beginnen. Ohne Einlaufmusik, ohne Zugabe, einfach 45 Minuten fröhlichen Abgesang auf eines unserer Lieblingsfestivals, wir fühlen uns wohl und sind zum ersten Mal seit langem wieder mal richtig „tight“, wie uns Urs später bestätigt. Außerdem klingt alles natürlich saugut. Burger sagt ein paar schlaue Worte über Festivals, die dicht machen müssen, aber weil ich außer mir und Totte nichts auf meinem Monitor hören kann, schließe ich mich aus Sympathie an. Recht hat er und ich schnall eh nix.

Nach dem Auftritt dann die Erleichterung. Burger steuert auf mich zu.
„Sag mal, du hast vorhin dein Shirt gesucht, gelle?“
„Äh ja....“
„Das hab ich irgendwie nicht geschnallt. Das war mein Kopfkissen“

Hurra, ich bin nicht alleine!

Liebes Serengeti, wir Monsters sind euch unendlich dankbar für die vergangenen Jahre und für all die Episoden, die geilen Bands und die tollen Leute, die wir hier immer erleben durften. Bleibt gut gelaunt. Bessere Tipps gibt’s von denen, die mehr davon verstehen. Wir sagen einfach: Danke, Serengeti!

Wir halten euch lieb!

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